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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Der neue Realismus und die neue Rechte (Eva Wiegmann)

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Eva Wiegmann (Belval, Luxemburg)

Der neue Realismus und die neue Rechte

Gegenwärtig lässt sich eine starke Begeisterung der neuen Rechten für Realismus-Konzepte feststellen, die sich insbesondere in den Publikationen aus dem Umfeld des als rechtsintellektuelle Kaderschmiede geltenden Instituts für Staatspolitik in Schnellroda niederschlägt. Das starke Interesse an Realismen ist vom Standpunkt eines ideologisch gefärbten Denkens und Wertsetzens zunächst einmal überraschend. Bestimmt sich „[e]ine ‚realistische‘ Einschätzung der Lage“ gemäß Geuss, doch gerade dadurch, dass sie „nicht durch Wunschdenken, Ideologie oder Befangenheit in den ‚Wertselbstverständlichkeiten‘ des Alltags getrübt ist“.1 Dennoch beruht ideologisches Denken grundsätzlich auf einer Weltanschauung, die einen hohen Anspruch auf ‚Wahrheit‘ erhebt und von hier aus politisches Handeln rechtfertigt.

Im April 2014 veröffentlichte Karlheinz Weißmann, der von Lichtmesz als „einer der wichtigsten Vordenker der ‚Neuen Rechten‘“2 bezeichnet wird, in der Zeitschrift Sezession einen Artikel mit dem Titel „Neuer Realismus“, in dem er die grundsätzliche Affinität rechtskonservativen Denkens zu Realismus-Konzeptionen betont. Im Besonderen spricht sich Weißmann für eine verstärkte Rezeption der philosophischen Überlegungen von Marcus Gabriel und Maurizio Ferraris zu einem ‚Neuen Realismus‘ aus, die rein konzeptionell „dem erkenntnistheoretischen Optimismus der Rechten“ nahe stünden.3

Was diese philosophische Spielart eines ‚Neuen Realismus‘ für die Neue Rechte so interessant macht, ist zunächst einmal die konsequente Ablehnung postmodernen bzw. konstruktivistischen Denkens, mit dem sich Rechtsintellektuelle nie hatten anfreunden können. Die Argumentation...

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