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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Den Menschen überwinden – Misanthropie als radikale Konsequenz ökologischen Bewusstseins. Zu Ilija Trojanows Roman EisTau (Antje Büssgen)

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Antje Büssgen (Leuven, Belgien)

Den Menschen überwinden – Misanthropie als radikale Konsequenz ökologischen Bewusstseins. Zu Ilija Trojanows Roman EisTau

In seinem 2011 erschienenen Roman EisTau1 inszeniert Ilija Trojanow das Thema der Begegnung mit dem Fremden als Reflexion auf das Verhältnis von Mensch und Natur im frühen 21. Jahrhundert. Es ist ein katastrophales, weil „parasitäre[s]“2 Verhältnis: Der Mensch ist im Zeitalter des Hochkapitalismus und der Überbevölkerung zum Parasiten der Natur geworden, der durch die materiellen Bedürfnisse seines auf „Gier“3, „Bequemlichkeit“4 und narkotisierendem Konsum gründenden Lebensstils seinen Wirt allmählich vernichtet. Anschaulich gemacht wird diese Konstellation am Beispiel der durch den Treibhauseffekt verursachten Klimaerwärmung, die zum Abschmelzen der Gletscher führt, ihrem „Tod“5. Der Protagonist Zeno Hintermaier, ein Geologieprofessor, dessen Forschung Jahrzehnte lang der anthropogen bedingten Gletscherschmelze gewidmet war, durchlebt – davon berichtet der Roman in Gestalt eines Tagebuchs – eine existentielle Krise: Sie lässt ihn zunächst zum „Spaßverderber“6 an den Konsumfreuden des Kapitalismus werden, führt ihn über das Stadium einer „schleichende[n] Misanthropie“7 zunehmend in soziale Isolation, Querulantentum und schließlich in den Suizid. Zeno begeht Selbstmord, weil er es angesichts des ausbeuterischen Umgangs des Menschen mit der Natur, aber auch angesichts der Wirkungslosigkeit wissenschaftlicher Prognosen und Warnungen vor den Folgen des anthropogen bedingten Klimawandels „leid“ wurde, „unter diesen Umständen Mensch zu sein“8. Die Ohnmacht der Natur im Zeitalter ihrer industriell-technischen Ausbeutung durch den Menschen führt in...

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