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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Schwermütige Landschaften. Zu Marion Poschmanns subjektivistischer Naturpoetik (Björn Hayer)

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Björn Hayer (Landau, Deutschland)

Schwermütige Landschaften. Zu Marion Poschmanns subjektivistischer Naturpoetik

Die opernhaften Umstürze der Landschaft, das Auffahren von Kulissen, Schwebebühnen, neuer Künstlichkeit. […], Landschaftswandel begann […] auf begrünten Deponien. Bestimmte Pflanzensorten […] gewannen ein Gelände, das hin und her wanderte, beladen mit Vergangenheit. Zu viele Eingriffe, zu viel Reibung, von allem zu viel. Riesenmüder, verfetteter, verseifter Boden.1

Mit diesen Worten entwirft Marion Poschmann in ihrer Hundenovelle das Bild einer anthropozän geschaffenen Kulturlandschaft. Die Natur erscheint in einer geradezu theatralen Überformung, was zugleich als gewaltsamer Akt markiert wird. Zwar vermögen einige Pflanzen sich durchaus gegen die vom Menschen evozierte Entfremdung zu behaupten, gleichwohl gibt sich der Boden als kontaminiert zu erkennen. Fragt man nach einer ökologischen Position des Prosatextes insgesamt, ergibt sich hingegen eine differenziertere Verhältnisbestimmung zwischen Zivilisation und Umwelt, die weit über eine misanthropische Kulturkritik am Menschen als Hegemon hinausreicht. Dies äußert sich auf Ebene der Figureninteraktion wie auch der Landschaft selbst.

Im Zentrum des Geschehens steht die ambivalente Beziehung zwischen einer arbeitslosen Großstadtnomadin, welche in einem urbanen Randbezirk ein trostloses Dasein führt, und einem ihr zulaufenden Hund. Fortan pendelt das Verhalten der Frau gegenüber dem tierischen Begleiter zwischen Akzeptanz und Abgrenzung. Wie der Vierbeiner – eine in ihrer Beharrlichkeit wahre „Besatzungsmacht“2 – verbleibt ebenso wenig die von der Ich-Erzählerin immer wieder aufgesuchte Landschaft am Rande der Vorstadt in einer statischen Objektsphäre. Vielmehr betont der Text deren Eigendynamik....

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