Show Less
Restricted access

Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

Show Summary Details
Restricted access

Wenn das Unvorstellbare zurückschlägt – die Fortdauer frühneuzeitlicher Katastrophenmotive in Franz Hohlers Roman Der neue Berg (Christoph Weber)

Extract

Christoph Weber (Denton, USA)

Wenn das Unvorstellbare zurückschlägt – die Fortdauer frühneuzeitlicher Katastrophenmotive in Franz Hohlers Roman Der neue Berg

Der Schweizer Schriftsteller Franz Hohler schildert in seinem 1989 erschienenen Erstlingsroman Der neue Berg den Untergang einer Zürcher Vorstadtagglomeration. Beim Jogging entdeckt der Fernsehtechniker Roland Steinmann auf dem Loowaldhügel, wo die Kelten einst ihre Toten bestatteten, merkwürdige Risse. Konsultierte Geologen vermögen unter den Keltengräbern das Epizentrum schwacher Erdstöße auszumachen. Steinmanns Verdacht, dass sich im Untergrund ein Vulkanherd bildet, verwirft der Gemeindepräsident Manfred Niederer als Panikmache. Wenn am Romanende ein Großbeben und anschließender Vulkanausbruch den Ballungsraum Zürich auslöschen, wird aus der Prophezeihung des Fernsehtechnikers eine schreckliche Wirklichkeit.

Die Vorstellung einer lebendigen Natur, die mit den Menschen zu kommunizieren vermag, um die Apathie gegenüber der globalen Umweltzerstörung zu durchbrechen, nimmt in Der neue Berg eine gewichtige Rolle ein. Hohler rekurriert auf die archaische Vorstellung der Erde als Gaia, die ihre Provenienz im mythologischen Denken besitzt.1 Folgend soll genauer auf die Kontinuität von Motiven aus dem frühneuzeitlichen Katastrophendiskurs eingegangen werden, die Hohler verwendet hat, um seiner Untergangsvision eine numinose Aussagekraft zu verleihen. Inmitten des eintönigen Vorstadtlebens werden die Romanfiguren mit merkwürdigen Vorzeichen konfrontiert. Ihre Schwierigkeit, diese Vorkommnisse rational zu erklären, veranschaulicht beispielhaft das Unvermögen eines hochtechnisierten Gesellschaftsumfelds, Risiken anzuerkennen, die sich außerhalb des Quantifizierbaren befinden. Hohler spielt mit dem Spannungsverhältnis zweier einander entgegengesetzten Naturauffassungen:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.