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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Die Erfahrung der Mehrsprachigkeit bei Emine Sevgi Özdamer (Paweł Piszczatowski)

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Paweł Piszczatowski (Warschau, Polen)

Die Erfahrung der Mehrsprachigkeit bei Emine Sevgi Özdamer

Die Mehrsprachigkeit ist – vor allem in multiethnischen Gesellschaften und Grenzregionen – ein weit verbreitetes Phänomen. Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive wird es interessant, wenn Schriftstellerinnen und Schriftsteller in mehreren Sprachen schreiben, oder – was in der deutschsprachigen Literatur immer häufiger der Fall ist – in einer Sprache dichten, die nicht ihre Muttersprache ist. Oft hat die Erfahrung der Mehrsprachigkeit auch einen indirekten Einfluss auf das Idiom eines Autors, wie ihn etwa Herta Müller in ihrer Tübinger Poetik-Vorlesung In jeder Sprache sitzen andere Augen aufgefasst hat: „Ich habe in meinen Büchern noch keinen Satz auf Rumänisch geschrieben. Aber selbstverständlich schreibt das Rumänische immer mit, weil es mir in den Blick hineingewachsen ist“.1

Bei Emine Sevgi Özdamer, wie auch bei vielen weiteren Autorinnen und Autoren mit Migrationshintergrund, erweist sich ihre Mehrsprachigkeit als weit radikaler. Zuerst schon deswegen, weil ihre Hinwendung zu der Fremdsprache Deutsch gleichsam auch den „Verlust“ der Muttersprache bedeutet und durch ihn verursacht wird. Es handelt sich demnach um eine geradezu existenzielle Entscheidung, in einer anderen Sprache als die eigene Muttersprache nach der Intimität des literarischen Ausdrucks zu suchen.

Emine Sevgi Özdamer, die 1946 im ostanatolischen Malatya zur Welt kam, ging einen Weg zur deutschen Sprache, der durch die Theaterbühne führte. Bis 1976 lebte sie vorwiegend in Istambul und der nahe gelegenen Stadt Bursa, mit einer wichtigen Unterbrechung, als sie 1965 – ohne jegliche...

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