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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Identität denken als Transdifferenzdenken: Olga Grjasnowa und Sabrina Janesch (Paula Wojcik)

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Paula Wojcik (Jena, Deutschland)

Identität denken als Transdifferenzdenken: Olga Grjasnowa und Sabrina Janesch

1. Einleitung

Im folgenden Beitrag soll die Inszenierung von Identitätsvorstellungen in der neuesten deutschsprachigen Literatur untersucht werden. Am Beispiel der Romane Der Russe ist einer, der Birken liebt von Olga Grjasnowa und Ambra von Sabrina Janesch – beide von 2012 – soll die These geprüft werden, dass den Identitätsdarstellungen in beiden Romanen das Konzept der Transdifferenz zugrunde liegt. In der hier gebotenen Kürze lässt sich dieses Konzept als eine quer zur Dichotomie von Identität und Alterität stehende Kategorie verstehen: „Transdifferenz bezeichnet […] nicht die Überwindung beziehungsweise Aufhebung von Differenz, […] sondern das Aufscheinen des in dichotomen Differenzmarkierungen Ausgeschlossenen vor dem Hintergrund des polar Differenten.“1 Transdifferenz ist im Sinne einer „Dissonanzerfahrung“2 zu verstehen, die erfordert, „Momente der Ungewissheit, der Unentscheidbarkeit und des Widerspruchs“3 auszuhalten, ohne sie in binären Differenzen aufzulösen. Wie wird Identität in den Romanen im Sinne der Transdifferenz inszeniert?

2. Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt

Der Titel des Erfolgsromans Der Russe ist einer, der Birken liebt4 von 2012 ist ein intertextueller Verweis auf Anton Tschechows Drei Schwestern und lenkt zugleich den Blick auf eine Gewohnheit, Identität zu denken. Mit dem Kollektivsingular „Der Russe“ wird die Einheit der vielsprachigen, multireligiösen und multiethnischen ehemaligen Sowjetunion unterstellt. „Ist einer, der Birken liebt“ behauptet←401 | 402→ das Wesen dieser Einheit anzugeben und bedient sich...

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