Show Less
Restricted access

Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 6

Series:

Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert Sektionen aus dem Bereich Sprachdidaktik und Sprachvermittlung auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Kognition der Mehrsprachigkeit», darauf folgt die Sektion «Das Lernen und Lehren der deutschen Sprache in einer mehrsprachigen Welt: sprachpolitische Bedingungen und Ansätze». Die Sektion «Die Rolle des Sprachvergleichs beim Erwerb des Deutschen» beschließt den Band.

Show Summary Details
Restricted access

Die Rolle des Sprachtalents in Fremdsprachenerwerb und Mehrsprachigkeit (Susanne Lippert)

Extract

Susanne Lippert (Rom, Italien)

Die Rolle des Sprachtalents in Fremdsprachenerwerb und Mehrsprachigkeit

Einleitung

Es ist an der Zeit, mit einigen Mythen über Zweisprachigkeit aufzuräumen, die seit langem in der modernen Bilingualismusforschung überliefert und von Autor zu Autor weitergegeben werden, sich aber bei genauerem Hinsehen als falsch erweisen. Diese Mythen drücken sich in verschiedenen Thesen aus, deren wichtigste besagt, dass man eine Sprache nur dann „richtig“ erwerben kann, wenn man sie von klein auf, möglichst im zweisprachigen Elternhaus, erwirbt. Das sei zusammen mit dem Aufwachsen in einer bilingualen Sprachgemeinschaft der Idealfall, um zu „ausgeglichener Zweisprachigkeit“ heranzuwachsen. In der Schule und im Fremdsprachenunterricht generell, so These Nummer zwei, kann man allenfalls einen schwachen Abglanz dieser Perfektion erreichen. Beide Thesen sind nicht korrekt und führen in die Irre. Die Wahrheit ist dagegen, dass das schulische Fremdsprachenlernen durchaus Lerner hervorbringt, die mit den zweisprachig aufwachsenden Kindern konkurrieren können. Die zweisprachig aufwachsenden Kinder können dagegen u. U. so große Schwierigkeiten mit ihrer Zweisprachigkeit haben, dass sie im Endeffekt nur eine der beiden Sprachen sprechen lernen1. Ausschlaggebend hierbei ist das Sprachtalent.

Vom Sprachtalent hört man in den moderen Spracherwerbstheorien aber überhaupt nichts. Das hat seinen guten Grund: Kein Mensch kann sagen, was Sprachtalent eigentlich ist. Dazu wären viele weiterführende Forschungen nötig, vor allem auf dem Gebiet der Neurolinguistik. Man müsste versuchen, mit bildgebenden Verfahren herauszufinden, was beim Sprachenlernen eigentlich im Gehirn passiert. Die Talent-Frage wurde bisher...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.