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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 -Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 7

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Kulturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Kulinaristik: Kultur – Kommunikation – Küche». Darauf folgt die Sektion «Begegnungen zwischen den deutschsprachigen Ländern und Asien», bevor die Sektion «Kulturdifferente Lehr- und Lernstile, nationalspezifische Wissenstraditionen und interdisziplinäre Methoden – wohin führt der Weg einer Germanistik als Fremdkulturwissenschaft?» dokumentiert wird. Die Sektion «Interkulturalität (in) der Wissenschaft» beschließt den Band.

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Küche, Kunst und Kannibalen. Sino-helvetische Tischszenen als politische Allegorie (Sabine Haupt)

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Sabine Haupt (Fribourg, Schweiz)

Küche, Kunst und Kannibalen. Sino-helvetische Tischszenen als politische Allegorie

In seinen Reiseberichten aus den frühen 1970er Jahren beklagt der belgische Sinologe Pierre Ryckmans alias Simon Leys, einer der großen francophonen Spezialisten für chinesische Politik und Kultur, immer wieder die Schwierigkeiten, mit denen er konfrontiert wird, sobald er in China versucht, politische Themen anzusprechen. Politik sei, so fasst er in seinen Reiseskizzen Ombres chinoises zusammen, für Chinesen offenbar so etwas wie ein Staatsgeheimnis. Er stellt diese Vorsicht in den Zusammenhang eines undurchsichtigen politischen Systems, in dem die Angst, jederzeit denunziert zu werden, eine freimütige Rede verhindert. Wer über Politik sprechen möchte, braucht eine Strategien der Diskretion, der Camouflage und der Travestie. Und dazu gehöre, so Simon Leys, auch die vermeintlich harmlose Beschreibung von Alltagsszenen. Sogar die chinesische Küche sei in Wahrheit ein Spiegel der politischen Zustände, nämlich das genaue Abbild der kulinarischen Kreativität angesichts einer mehr als dürftigen Versorgungssituation.

Auch in den Reiseberichten von Schweizer SchriftstellerInnen, die im Laufe der letzten 80 Jahre den chinesischen Subkontinent bereisten, finden sich solche Überlegungen und deren Literarisierung. Nach den Reiseberichten aus den 1930 und 1940er Jahren, in denen die Reise nach China noch als eine Art ,spirituelle Erfahrung‘ gewertet wird, dauert es weitere 40 Jahre, bis AutorInnen wie Nicolas Bouvier, Maurice Chappaz oder Gertrud Leutenegger in ihren Berichten einen zwar subjektiven, doch auch schon dezent kritischen Blick auf das bereiste Land...

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