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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 -Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 7

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Kulturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Kulinaristik: Kultur – Kommunikation – Küche». Darauf folgt die Sektion «Begegnungen zwischen den deutschsprachigen Ländern und Asien», bevor die Sektion «Kulturdifferente Lehr- und Lernstile, nationalspezifische Wissenstraditionen und interdisziplinäre Methoden – wohin führt der Weg einer Germanistik als Fremdkulturwissenschaft?» dokumentiert wird. Die Sektion «Interkulturalität (in) der Wissenschaft» beschließt den Band.

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Das ‚Gesetz des Bauches‘. Das Essen als kulturelle Praxis und mediales Dispositiv in Fontanes L’Adultera (Sergej Rickenbacher)

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Sergej Rickenbacher (Düsseldorf, Deutschland)

Das ‚Gesetz des Bauches‘.Das Essen als kulturelle Praxis und mediales Dispositiv in Fontanes L’Adultera

Fontanes L’Adultera wurde bisher als moderne Zeichenkritik1 oder als Inszenierung der leerlaufenden Kulturgenese einer sich selbst entfremdenden Gesellschaft verstanden.2 In der Tat ist es verführerisch, die erste Berliner Erzählung Fontanes auf diese Weise zu lesen. Zeichen und Essen bleiben aber in diesen Ansätzen weitgehend unvermittelt. Die Verbindung von Semiotik und Kulinaristik erlaubt dagegen ein mediologischer Ansatz, der nach den bestimmenden kulturellen Praktiken fragt, die das mediale Dispositiv organisieren.3 Im Folgenden wird die These vertreten, dass die entscheidende kulturelle Praxis in L’Adultera das Essen und Trinken ist, d. h. die Gastronomie im Sinne von Bauch und Gesetz ordnet die Zirkulation von Zeichen, Medien und Macht.

Weder die kulturelle Praxis noch das mediale Dispositiv sind stabile Entitäten. Jede Handlung aktualisiert und modifiziert. Gleiches gilt auch für die Novelle L’Adultera. Das mediale Dispositiv, auf das sich Fontane bezieht, bildet die sogenannte Gastrosophie, wie sie maßgeblich in Jean Brillat-Savarins Physiologie des Geschmacks und Carl Friedrich Rumohrs Geist der Kochkunst artikuliert wird. Für L’Adultera von besonderer Relevanz sind Brillat-Savarins und Rumohrs Überlegungen zur um 1880 virulenten Frage des ‚Geschmacks‘, der bei Fontane zwischen physiologischen, ästhetischen und moralischen Gesichtspunkten übersetzt. Drei Aspekte gilt es hervorzuheben.

Erstens resultiert der Geschmack als Erlebnis sowohl bei Brillat-Savarin als auch bei Rumohr nicht alleine aus der physiologischen Wirkung. Vielmehr wird das Erlebnis durch eine multimediale...

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