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Der Holocaust in deutschsprachigen publizistischen Diskursen

Eine sprachwissenschaftliche Analyse am Beispiel der Diskussion um den Roman «Die Wohlgesinnten» von Jonathan Littell

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Britta Gries

Thema dieses Buchs sind die öffentlichen Diskurse um den Holocaust, die einen integralen Bestandteil der Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren darstellen. Viele Konflikte, Brüche und Diskontinuitäten kennzeichnen diesen Zeitraum und auch im 21. Jahrhundert sorgen literarisch-ästhetische Annäherungsversuche an den Genozid für mediale Skandale.

Die Autorin fragt, von welchen Intentionen, Haltungen und Wissensbeständen diese publizistischen Kontroversen geleitet werden. Um die vielschichtige Thematik zu beleuchten, analysiert sie die Debatte über Jonathan Littells Roman «Die Wohlgesinnten» Anfang 2008 in deutschen Qualitätsmedien mit einem eigens konzipierten Diskurslinguistischen Vier-Ebenen-Modell, das Foucaults diskurstheoretische Überlegungen in Analysekategorien übersetzt und so die Dynamik zwischen Gesellschaft und Sprache erfasst.

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5.4.3 Journalistische Darstellungsformen

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Auf der Grundlage der in Abschnitt 4.7.2.2 der vorliegenden Printausgabe erfolgten Zuordnung journalistischer Darstellungsformen zu vier Funktionsklassen – namentlich der informations- und meinungsbetonten sowie der auffordernden und instruierend-anweisenden Textklassen – werden im Folgenden die im Analysekorpus788 identifizierten schriftsprachlichen publizistischen Beitragsformen in den berücksichtigten Presseorganen auch im Hinblick auf die Form der thematischen Entfaltung eine kurze Charakterisierung erfahren.789 Mit diesem Vorgehen wird der, im Fragenkomplex der diskursiven und der textuellen Analyseebene angesprochene Aspekt der zur Anwendung gekommenen journalistischen Darstellungsformen berücksichtigt. Zugunsten der Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Untersuchung sollen die beiden entsprechenden Fragestellungen aus dem Abschnitt 4.10 an dieser Stelle nochmals im Wortlaut angeführt werden:

• Synchrone Perspektive der textübergreifenden Ebene der diskursiven Analysedimension: Welche journalistischen Darstellungsformen nutzen die Diskursakteure zur Publikation ihrer Beiträge?

• Synchrone Perspektive der textuellen Ebene der textuellen Analysedimension: Mithilfe welcher – für die massenmediale Kommunikation in der Presse – konventionalisierten journalistischen Darstellungsform und der zugrunde liegenden Textfunktion hat ein Diskursakteur Wissensbestände, Informationen oder auch subjektive Einstellungen und Meinungen über den nationalsozialistischen Völkermord und dessen literarische Thematisierung in Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ in die publizistische Auseinandersetzung eingebracht?

Die Charakterisierung der im Analysekorpus berücksichtigten journalistischen Darstellungsformen erfolgt auch an dieser Stelle der Untersuchung zugunsten einer besseren Übersichtlichkeit der Analyseergebnisse separat. In diesem Zusammenhang soll aus forschungsökonomischen Gründen von einer näheren Erläuterung der Merkmale von Textsorten mit primär auffordernden oder ← 314 | 315 → instruierend-anweisenden Funktionen Abstand genommen werden, da sie im Korpus nicht ermittelt werden...

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