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Literarische Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Regionen Mitteleuropas

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Edited By Maria Gierlak, Malgorzata Klentak-Zablocka and Thorsten Unger

In verschiedenen Regionen Mitteleuropas bewirkte der Erste Weltkrieg eine Umwälzung größten Ausmaßes. Das Buch geht der Frage nach, wie sich der Erste Weltkrieg im kulturellen Gedächtnis dieser Regionen niederschlägt. Zu der Erfahrung der hier lebenden Menschen verschiedener Nationalitäten gehörte unter anderem, dass sie oft zwischen den Fronten standen oder gezwungen wurden, als Soldaten bei fremden Truppen zu kämpfen. Neben belletristischen Texten und Dichtung im engeren Sinne untersuchen die Autorinnen und Autoren auch Dokumente, Ego-Zeugnisse und Artefakte der materiellen Kultur als Träger der kollektiven Erinnerung.

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Zwei Berichte aus dem Osten – Kriegstourismus und Propaganda: Juden und Polen in den besetzten Gebieten (Iwona Kotelnicka-Grzybowska)

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Iwona Kotelnicka-Grzybowska (Toruń)

Zwei Berichte aus dem Osten – Kriegstourismus und Propaganda: Juden und Polen in den besetzten Gebieten

H. Strucks und H. Eulenbergs Skizzen aus Litauen, Weissrussland und Kurland verbindet mit F. Wertheimers Reportagen Im polnischen Winterfeldzug mit der Armee Mackensen die Nähe zur deutschen institutionellen Propaganda. Sie zeigen eine Verschränkung der geschauten Bilder und des mitgebrachten Vorwissens mit der politischen Zielsetzung.

Schlüsselbegriffe: Propaganda; Polen; Juden; Ober Ost; Kriegstourismus

Im Gegensatz zu der im öffentlichen Diskurs „vergessenen Front“1 im Osten Europas waren die gerade eroberten Gebiete im Osten den Zeitgenossen – nicht nur den dort dienenden Soldaten – durchaus präsent, und zwar in einer bis dahin wahrscheinlich nicht erlebten Intensität.2 Sie weckten Interesse als Terrain der potenziellen beruflichen, wirtschaftlichen und politischen Exploration sowie der identitätsstiftenden beziehungsweise humanitären Betätigung. Der Berliner Lokal-Anzeiger versuchte im August 1915, nach dem deutschen Einmarsch in Warschau, ernüchternd einzugreifen: „Kein Beamtenbedarf für die Verwaltung in Polen“, viele Anwärter stünden schon auf den Wartelisten.3 Der Osten wurde auch zum Gegenstand der modernen, staatlich organisierten Öffentlichkeitsarbeit mit Studienreisen für ‚Multiplikatoren‘, Politiker und Journalisten. Sammy Gronemann, der Rabbinersohn aus Brodnica/Strassburg, Zionist, Anwalt und großer Anekdotenerzähler, der in der Presseabteilung der Heeresleitung diente, belächelt in seinen nach dem Krieg herausgegebenen Erinnerungen die „Besucher ← 133 | 134 → aus Deutschland“, darunter die „Retter der Ostjuden“,4 die er in ‚Ober Ost‘, den direkt der Militärverwaltung...

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