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Literarische Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Regionen Mitteleuropas

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Edited By Maria Gierlak, Malgorzata Klentak-Zablocka and Thorsten Unger

In verschiedenen Regionen Mitteleuropas bewirkte der Erste Weltkrieg eine Umwälzung größten Ausmaßes. Das Buch geht der Frage nach, wie sich der Erste Weltkrieg im kulturellen Gedächtnis dieser Regionen niederschlägt. Zu der Erfahrung der hier lebenden Menschen verschiedener Nationalitäten gehörte unter anderem, dass sie oft zwischen den Fronten standen oder gezwungen wurden, als Soldaten bei fremden Truppen zu kämpfen. Neben belletristischen Texten und Dichtung im engeren Sinne untersuchen die Autorinnen und Autoren auch Dokumente, Ego-Zeugnisse und Artefakte der materiellen Kultur als Träger der kollektiven Erinnerung.

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Thomas Manns Roman Der Zauberberg und der Erste Weltkrieg (Heike Steinhorst)

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Heike Steinhorst (Magdeburg)

Thomas Manns Roman Der Zauberberg und der Erste Weltkrieg

Obwohl im Zauberberg die Welt von Davos als Spielfeld inszeniert wird, welches die „Flachland“-Welt spiegelt, wird zugleich ein fundamentaler Unterschied beider suggeriert. Das vom Helden beanspruchte Placet experiri wiederholt sich auf der Erzählebene; ehemals eigene Positionen verteilt Thomas Mann nach dem Weltkrieg auf seine Romanfiguren.

Schlüsselbegriffe: Der Zauberberg; Erster Weltkrieg; Entstehungsgeschichte; Romankonzeption

1924 erschien im Verlag von Samuel Fischer Thomas Manns zweiter Großroman Der Zauberberg, ebenso wie 23 Jahre zuvor Die Buddenbrooks, für die er 1928 den Nobelpreis erhalten sollte, in zwei Bänden. Wenn man vom vergleichsweise schmalen Beispiel Königliche Hoheit (1909) absieht, konnte der Autor Thomas Mann erst nach fast einem Vierteljahrhundert an seinen ersten großen Erfolg auf dem Gebiet des Romans anknüpfen. Anders als Die Buddenbrooks stieß Der Zauberberg bei der Kritik zunächst auf ein eher verhaltenes, wenn nicht ablehnendes Echo. Umso bemerkenswerter sind die wenigen Ausnahmen und darunter ganz besonders diejenige Walter Benjamins. Benjamin schätzte Thomas Mann ohnehin wenig, seine Betrachtungen eines Unpolitischen verabscheute er geradezu. Nach Erscheinen des Zauberbergs jedoch konnte er nicht umhin, wenigstens im privaten Brief seine Betroffenheit zu artikulieren. Notwendig müsse der Autor Thomas Mann eine Wandlung durchgemacht haben, anders könne er sich die Übereinstimmungen mit seinen eigenen Ideen nicht denken.1

Dieser Wandel nun beziehungsweise die Frage, ob und in welcher Weise es einen...

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