Show Less
Restricted access

Die «Wende» von 1989 und ihre Spuren in den Literaturen Mittelosteuropas

Series:

Edited By Alicja Krauze-Olejniczak and Sławomir Piontek

Ein Vierteljahrhundert nach den demokratischen Transformationen in Mittel- und Osteuropa ziehen polnische, österreichische, deutsche, ungarische und tschechische Literaturforscher eine Zwischenbilanz über die Bedeutung dieser politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen für die mitteleuropäische Literaturlandschaft. Die in diesem Band versammelten Stimmen gehen der Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven nach: Sie ergründen sowohl die Folgen der «Wende» für das Literaturschaffen (neue poetische Verfahrensweisen und Gattungen, neue Themenbereiche, neue Identitätsentwürfe) als auch die Thematisierungen der «Wende» in den Werken der SchriftstellerInnen aus Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen DDR.

Show Summary Details
Restricted access

„Unnachahmliche polnische Nostalghia“ oder Rousseau in Galizien. Überlegungen zu einigen Aspekten deutschsprachiger Rezeption polnischer Gegenwartsliteratur (Lothar Quinkenstein)

Extract

| 71 →

Lothar Quinkenstein

„Unnachahmliche polnische Nostalghia“ oder Rousseau in Galizien.

Überlegungen zu einigen Aspekten deutschsprachiger Rezeption polnischer Gegenwartsliteratur

Abstract: Der Beitrag beschäftigt sich mit einer bestimmten Form der Wahrnehmung innerhalb der Rezeption polnischer Gegenwartsliteratur. Kennzeichnend für die untersuchte Perspektive ist der spezifische Ton eines Entdeckergeistes, der sich ein knappes Jahrzehnt nach der Wende anschickte, eine als faszinierend exotisch empfundene Fremde zu erkunden. Anhand ausgewählter Beispiele aus dem Feld der Literaturkritik kann der Beitrag herausarbeiten, wie der Kulturraum Polen – und insbesondere die Region Galizien – im Zuge dieser enthusiastischen Romantisierung zur Folie einer Wunschprojektion wird. Im Bedürfnis, eine Landschaft zu entdecken, in der ältere Mythologeme, das beispiellose Ausmaß an Gewalt und Verheerung während des Zweiten Weltkrieges sowie die Wirklichkeiten des occident kidnappé (Milan Kundera) zu einem Palimpsest verschmelzen, wird über eben diese Geschichte des Raumes hinweggesehen. Die „Entdeckung“ des „Ostens“ führt in dieser Strömung der Rezeption nicht zu einer Auseinandersetzung mit der Geschichte Mitteleuropas als der exemplarischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, sondern in die geschichtslosen Räume eines imaginierten Arkadiens. Eine Literatur, die durchdrungen ist vom Wissen um Geschichte, wird usurpiert von eskapistischen Sehnsuchtsträumen.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.