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Die «Wende» von 1989 und ihre Spuren in den Literaturen Mittelosteuropas

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Edited By Alicja Krauze-Olejniczak and Sławomir Piontek

Ein Vierteljahrhundert nach den demokratischen Transformationen in Mittel- und Osteuropa ziehen polnische, österreichische, deutsche, ungarische und tschechische Literaturforscher eine Zwischenbilanz über die Bedeutung dieser politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen für die mitteleuropäische Literaturlandschaft. Die in diesem Band versammelten Stimmen gehen der Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven nach: Sie ergründen sowohl die Folgen der «Wende» für das Literaturschaffen (neue poetische Verfahrensweisen und Gattungen, neue Themenbereiche, neue Identitätsentwürfe) als auch die Thematisierungen der «Wende» in den Werken der SchriftstellerInnen aus Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen DDR.

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Die Problematik der politischen Wende im Werk des ungarischen Schriftstellers Béla Fehér unter besonderer Berücksichtigung seiner Romane Doktorchen schläft in Bethlehem und Szenen aus dem Leben eines Maulwurfjägers (Géza Horváth)

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Géza Horváth

Die Problematik der politischen Wende im Werk des ungarischen Schriftstellers Béla Fehér unter besonderer Berücksichtigung seiner Romane Doktorchen schläft in Bethlehem und Szenen aus dem Leben eines Maulwurfjägers1

Abstract: Béla Fehér (1949), einer der hervorragendsten Vertreter der zeitgenössischen ungarischen Prosa, stellt auf den Spuren von Kurt Vonnegut, István Örkény und Jenő Rejtő in seinen eigenartig grotesk-bitteren Romanen, Novellen und Essays die Änderungen der ungarischen Geschichte und Gegenwart aus der Froschperspektive kleiner Leute in surrealistisch anmutenden Milieus dar. Der sogenannten „politischen Wende” hat Fehér vor allem zwei Romane – Doktorchen schläft in Bethlehem und Szenen aus dem Leben eines Maulwurfjägers – gewidmet. Die Protagonisten beider Romane sind deklassierte, heruntergekommene Figuren: Lajos Pogácsás, als Erbe seines Vaters, dessen Leben wegen seiner harmlosen Aktivitäten als Sanitär in der Revolution von 1956 völlig ruiniert wurde, beschwört in einem gestohlenen, schrottreifen Autobus die wichtigsten Ereignisse seines verlotterten Lebens herauf. Der Maulwurfjäger Gyula Ecsedi kehrt nach der „Wende” aus der Emigration in Paris in die alte Heimat zurück, um nach bitteren Erfahrungen im wild-kapitalistischen Ungarn wieder zu emigrieren, diesmal aber nicht mehr nach Paris, in die Traumstadt der amerikanischen Lost Generation, sonder nach Oran in Nord-West-Algerien. Die im Road-Movie-Stil dargestellten ruinierten Leben zeugen davon, dass sich das tragisch-sebstzerstörerische Schicksal der Ungarn in ihrer zweitausendjährigen Geschichte nicht einmal in einer neuen „demokratischen” Staatsform nach der...

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