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Die «Wende» von 1989 und ihre Spuren in den Literaturen Mittelosteuropas

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Alicja Krauze-Olejniczak and Sławomir Piontek

Ein Vierteljahrhundert nach den demokratischen Transformationen in Mittel- und Osteuropa ziehen polnische, österreichische, deutsche, ungarische und tschechische Literaturforscher eine Zwischenbilanz über die Bedeutung dieser politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen für die mitteleuropäische Literaturlandschaft. Die in diesem Band versammelten Stimmen gehen der Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven nach: Sie ergründen sowohl die Folgen der «Wende» für das Literaturschaffen (neue poetische Verfahrensweisen und Gattungen, neue Themenbereiche, neue Identitätsentwürfe) als auch die Thematisierungen der «Wende» in den Werken der SchriftstellerInnen aus Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen DDR.

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Der literarische November 1989 oder der Schriftsteller in der heutigen tschechischen Gesellschaft (Lubomír Machala)

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| 205 →

Lubomír Machala

Der literarische November 1989 oder der Schriftsteller in der heutigen tschechischen Gesellschaft

Abstract: Der November 1989 brachte für die tschechische Gesellschaft viele grundlegende Änderungen, zu welchen auch die Reduktion der Ambitionen und der gesellschaftlichen Auswirkung der Literatur gehörte. Anfang der 90er Jahre überwog nämlich die Überzeugung (wiederholt von Jiří Kratochvíl formuliert), dass die Literatur endlich ihrer außerliterarischen, etwa gesellschaftskritischen und erzieherischen Aufgaben entkleidet wurde und sich nur auf ihre ästhetischen Funktionen zu konzentrieren hat. Möglicherweise ist diese Einstellung – die später von Miroslav Balaštík als die „Falle des Ästhetizismus“ bezeichnet wurde – dafür verantwortlich, dass es bisher kein künstlerisch überzeugendes Buch gibt, das die Ereignisse der Novembertage bearbeiten würde. Die Texte von Pavel Kohout, Eva Kantůrková oder Lubor Kasal aus den 90er Jahren belegen zwar, dass der soziale bzw. sozialkritische Aspekt nach 1989 aus der Literatur nicht vollkommen verschwunden ist, doch eine stärkere sozialkritische Tendenz ist erst in den Werken der Jahrtausendwende zu entdecken (beispielsweise bei Martin Komárek, Pavel Verner, Jan Jandourek, Miloš Urban, Michal Viewegh u.a.). Am Anfang des Jahrtausends kam es auch zu einer umfangreicheren Diskussion über die „Engagiertheit“ der Literatur, wobei vor allem jüngere Autoren (Tomáš Weiss, Jan Těsnohlídek jun., Ondřej Budeus) die sozialkritische Funktion der Literatur hervorhoben. Als Beispiel einer rasant offenen Reflexion der aktuellen politischen Situation dient das Gedicht des anarchistischen Lyrikers Milan Kozelka. Die Studie endet mit...

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