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Luther

zeitgenössisch, historisch, kontrovers

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Edited By Richard Faber and Uwe Puschner

Die Bundesrepublik Deutschland blickt seit neun Jahren auf Luther und das 500. Reformationsjubiläum. Im letzten Jahr der sogenannten Luther-Dekade erscheint dieser um Historisierung, Kontextualisierung und Entmythologisierung Luthers im Besonderen, der Reformation im Allgemeinen bemühte, interdisziplinäre und interkonfessionelle Sammelband. Er hinterfragt Personenkult und reformatorische Exklusivität. Reformation gibt es synchron wie diachron nur im Plural. Schon zeitgenössisch stehen Reformierte, Täufer und Non-Konformisten nebeneinander, gemeinsam mit Reformkatholizismus und Humanismus. Von letzterem vor allem nahmen Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie ihren Ausgang.

Der Sammelband widmet sich zudem dem obrigkeitlichen, staatskonformen, nationalistischen und rassistischen Luthertum, u.a. den in seinem Zeichen stehenden Jubiläen zurückliegender Jahrhunderte. Die visuelle Propaganda der Reformationsepoche wird kritisch analysiert, namentlich die Cranach-Werkstatt in den Blick genommen. Auch die Bedeutung der Lutherschen Bibelübersetzung wird relativiert und dem Wittenberger Reformator überhaupt eine Anzahl anderer bedeutender Personen wie Pico della Mirandola, Erasmus, Castellio und Spee an die Seite und ihm gegenübergestellt. Problematisiert werden schließlich Luthers Radikalisierung altkirchlicher Traditionen insbesondere des Nominalismus und Augustinismus.

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In Luthers Namen. Protestantischer Kirchenbau im „Dritten Reich“ (Rainer Hering)

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Rainer Hering

In Luthers Namen. Protestantischer Kirchenbau im „Dritten Reich“

Abstract: Many newly erected Protestant churches were named after Martin Luther (1483–1546) during the Third Reich. These were significantly different from the churches built before 1933 and after 1945. Their architecture and interior furnishings often showed characteristics of Nazi interior design. With churches in Berlin, Hamburg and Lübeck as examples, this essay will demonstrate how a close connection to the Third Reich was expressed in these churches. This will then be explored in the context of Luther’s image in the 19th and 20th century.

Der Befund ist auffällig: Im Protestantismus wurden gerade im „Dritten Reich“ viele neu errichtete Kirchengebäude nach Martin Luther (1483–1546) benannt. Diese unterschieden sich wesentlich von den Kirchenbauten vor 1933 und nach 1945. Sie wiesen baulich und in der Ausstattung sehr auffällige Merkmale nationalsozialistischer Raumgestaltung auf.

Im Folgenden soll an drei Beispielen aus Berlin und Norddeutschland herausgearbeitet werden, wie es zu diesen Kirchenbauten kam und wie sich die enge Verbindung zum „Dritten Reich“ in ihnen ausdrückte. Vorangestellt sind Ausführungen zur Luther-Rezeption sowie zur Kirchengeschichte der untersuchten Landeskirchen im „Dritten Reich“. Anschließend wird der Umgang der betroffenen Gemeinden mit ihren Kirchenbauten in der Bundesrepublik analysiert. Abschließend werden sie in den Kontext des Lutherbildes im 19. und 20. Jahrhundert eingeordnet.

1. Luther-Rezeption im „Dritten Reich“

„Glaubenskämpfer, deutscher Reformator […] aus altem Bauerngeschlecht“ – so wird Martin Luther im...

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