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Luther

zeitgenössisch, historisch, kontrovers

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Richard Faber and Uwe Puschner

Die Bundesrepublik Deutschland blickt seit neun Jahren auf Luther und das 500. Reformationsjubiläum. Im letzten Jahr der sogenannten Luther-Dekade erscheint dieser um Historisierung, Kontextualisierung und Entmythologisierung Luthers im Besonderen, der Reformation im Allgemeinen bemühte, interdisziplinäre und interkonfessionelle Sammelband. Er hinterfragt Personenkult und reformatorische Exklusivität. Reformation gibt es synchron wie diachron nur im Plural. Schon zeitgenössisch stehen Reformierte, Täufer und Non-Konformisten nebeneinander, gemeinsam mit Reformkatholizismus und Humanismus. Von letzterem vor allem nahmen Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie ihren Ausgang.

Der Sammelband widmet sich zudem dem obrigkeitlichen, staatskonformen, nationalistischen und rassistischen Luthertum, u.a. den in seinem Zeichen stehenden Jubiläen zurückliegender Jahrhunderte. Die visuelle Propaganda der Reformationsepoche wird kritisch analysiert, namentlich die Cranach-Werkstatt in den Blick genommen. Auch die Bedeutung der Lutherschen Bibelübersetzung wird relativiert und dem Wittenberger Reformator überhaupt eine Anzahl anderer bedeutender Personen wie Pico della Mirandola, Erasmus, Castellio und Spee an die Seite und ihm gegenübergestellt. Problematisiert werden schließlich Luthers Radikalisierung altkirchlicher Traditionen insbesondere des Nominalismus und Augustinismus.

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Martin Luthers „Judenschriften“ und der protestantische Antisemitismus im „Dritten Reich“ (Manfred Gailus)

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Manfred Gailus

Martin Luthers „Judenschriften“ und der protestantische Antisemitismus im „Dritten Reich“

Abstract: The wide-spread Protestant anti-Semitism of the Hitler era had roots that went beyond religious points of view or theological texts. These sources and motivations were primarily historically and biographically closer to major church figures in 1933 than Luther’s 16th century writings about Jews. While the massive anti-Semitic statements and anti-Jewish actions in the church produced during the Nazi period did not need the infamous texts by Luther, whenever Luther’s anti-Semitic writings, which gained a new relevance around 1933, re-emerged and were reprinted in publications, they confirmed the already existing Protestant anti-Semitism and lent it additional legitimation. Around 1933, they therefore helped to stoke the wildfire that had already started.

Martin Luthers späte „Judenschriften“ sind heute nicht mehr so unbekannt, wie sie lange Zeit waren – und das Entsetzen über den aggressiv antijüdischen Ton des Reformators ist allenthalben groß. Heinrich Bedford-Strohm, eloquenter Theologe und seit 2014 Ratsvorsitzender der EKD, bekannte in Interviews wiederholt, er schäme sich angesichts solcher Texte aus der Feder des maßgeblichen Begründers der reformatorischen Kirchen in Deutschland. War Martin Luther ein Antisemit? Und was würde das bedeuten für die lutherische Kirche als Institution, für die vielen Gotteshäuser, die nach ihm benannt sind, für eine Stadt, die sich nicht ohne Stolz „Lutherstadt Wittenberg“ nennt, für die vielen Schulen und Straßen, die seinen Namen tragen? Oder war Martin Luther wom...

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