Show Less
Restricted access

Luther

zeitgenössisch, historisch, kontrovers

Series:

Edited By Richard Faber and Uwe Puschner

Die Bundesrepublik Deutschland blickt seit neun Jahren auf Luther und das 500. Reformationsjubiläum. Im letzten Jahr der sogenannten Luther-Dekade erscheint dieser um Historisierung, Kontextualisierung und Entmythologisierung Luthers im Besonderen, der Reformation im Allgemeinen bemühte, interdisziplinäre und interkonfessionelle Sammelband. Er hinterfragt Personenkult und reformatorische Exklusivität. Reformation gibt es synchron wie diachron nur im Plural. Schon zeitgenössisch stehen Reformierte, Täufer und Non-Konformisten nebeneinander, gemeinsam mit Reformkatholizismus und Humanismus. Von letzterem vor allem nahmen Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie ihren Ausgang.

Der Sammelband widmet sich zudem dem obrigkeitlichen, staatskonformen, nationalistischen und rassistischen Luthertum, u.a. den in seinem Zeichen stehenden Jubiläen zurückliegender Jahrhunderte. Die visuelle Propaganda der Reformationsepoche wird kritisch analysiert, namentlich die Cranach-Werkstatt in den Blick genommen. Auch die Bedeutung der Lutherschen Bibelübersetzung wird relativiert und dem Wittenberger Reformator überhaupt eine Anzahl anderer bedeutender Personen wie Pico della Mirandola, Erasmus, Castellio und Spee an die Seite und ihm gegenübergestellt. Problematisiert werden schließlich Luthers Radikalisierung altkirchlicher Traditionen insbesondere des Nominalismus und Augustinismus.

Show Summary Details
Restricted access

Erasmianische, kirchenreformerische und gegenreformatorische Lutherbilder im Spanien des 16. Jahrhunderts (Mariano Delgado)

Extract

Mariano Delgado

Erasmianische, kirchenreformerische und gegenreformatorische Lutherbilder im Spanien des 16. Jahrhunderts

Abstract: This essay examines the two main phases of the engagement with Luther in 16th century Spain (before 1536, and 1555–1563) by discussing what was regarded as “Lutheran” and providing an overview of the effects caused by Luther and Protestantism from 1563 forward.

In Spanien wurden bereits um 1500, also vor Luther, die Grundlagen für eine Kirchenreform, die nicht verstummende Sehnsucht seit dem Abendländischen Schisma, gelegt. Und diese Reform war vielschichtig.

(1) Zur „staatlich betriebenen Kirchenreform“1 unter den Katholischen Königen Ferdinand und Isabella gehörten u. a. folgende Maßnahmen: die Residenzpflicht für alle Bischöfe und geistliche Würdenträger, jedenfalls als anzustrebendes Ideal, die Einführung von Pfarrbüchern und damit eine verstärkte Kontrolle über die Pfarrgemeinden, die Abfassung eines kleinen Katechismus zur Unterweisung des Volkes, die Reform des klösterlichen Lebens, vor allem der einflussreichen Bettelorden, zur ursprünglichen Regelobservanz. Es wurde also bereits vieles von dem verwirklicht, was das Konzil von Trient (1545–1563) später für die gesamte katholische Kirche beschließen sollte. Um 1507 war die Ordensreform weitgehend abgeschlossen. Sie schuf nicht zuletzt die Voraussetzungen für die Evangelisierung der Neuen Welt. Die Missionare, die 1511 gegen die Ausbeutung der Indianer protestierten und die Kolonialismusdebatte entfachten, kamen aus dieser Reformbewegung.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.