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Die niederdeutsche Sprachgeschichte und das Deutsch von heute

Dieter Stellmacher

Sprachen haben in der Regel ein langes Leben, die niederdeutsche ist 1000 Jahre alt. Der Autor untersucht die vielfältigen, von den Zeitgenossen kaum wahrgenommenen Veränderungen, denen die Sprache in dieser Zeit unterworfen war. Über Systemvergleiche, Textstudien und soziolinguistische Erhebungen ist die Sprachgeschichtsschreibung in der Lage, grundlegende Veränderungen zu erfassen – in Umbauten des Sprachsystems und in der Sprachverwendung. Sie lassen sich als gesetzmäßige Veränderungen verstehen und an der Geschichte des Niederdeutschen gut nachvollziehbar darstellen. Ein Vergleich mit dem Hochdeutschen zeigt, wie sich entgegengesetzte Entwicklungen heute darstellen und wie die Sprachkulturarbeit damit umgehen sollte.

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1. Abstracts

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1.Abstracts

Zu den festen Überzeugungen vieler Norddeutscher gehört es, dass Niederdeutsch kein Dialekt, sondern eine Sprache ist. Soll darauf wissenschaftlich reagiert werden, dann ist von der grundsätzlichen sprachlichen Heterogenität und den damit zusammenhängenden Statusverschiedenheiten auszugehen. Sprachgeschichtlich äußert sich das in den sich wechselseitig bedingenden Prozessen von sprachlicher Integration, was Sprachausbau, Standardisierung bedeutet, und sprachlicher Differentiation, was Sprachabbau, Destandardisierung/Dialektisierung zur Folge hat. Dieser Zusammenhang kann als ein sprachgeschichtliches Grundgesetz verstanden werden, an der Geschichte des Niederdeutschen lässt er sich einsichtig darstellen. Ergänzt wird das mit Beispielen aus Luxemburg und Belgien für die Standardisierung des Moselfränkischen und des Südniederländischen. Destandardisierende Tendenzen lassen sich am heutigen Deutschen beobachten, Funktionsverluste der deutschen Wissenschaftssprache veranschaulichen sie ebenso wie die Schwierigkeiten, die die Auslandsgermanistik damit hat.

Die in diesen Vorgängen deutlich werdende sprachgeschichtliche Dialektik hilft, sowohl die Veränderungen im Gegenwartsdeutschen nicht einfach als Sprachverfall abzutun als auch die Sinnhaftigkeit sprachkultureller Arbeit an Dialekten zu verstehen.

Many northern Germans are firmly convinced that Low German is not a dialect, but a language. From the standpoint of linguistic scholarship, the basic linguistic heterogeneity of Low German and the divergent status of its various forms must be considered. With respect to the history of Low German, this diversity manifests itself in the interdependent processes of linguistic integration, which lead to linguistic←7 | 8→ extension and/or standardization and linguistic differentiation, which leads to a linguistic breakdown in the form of destandardization...

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