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Geschichte in der Öffentlichkeit

Konzepte – Analysen – Dialoge

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Edited By Christine Gundermann, Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der anhaltende Geschichtsboom stellt die Historiker*innen in Forschung und Praxis vor neue Herausforderungen. Die Kommunikation von Geschichte im öffentlichen Raum ist inszeniert und zweckgebunden. An sie werden Vermittlungsansprüche gestellt und doch hat öffentliche Geschichte als Teil von gegenwärtigen Erlebniskulturen nicht länger die leitende gesellschaftliche Kraft, die ihr im ausgehenden 19. Jahrhundert noch zugesprochen wurde. Um die aktuellen medialen, materiellen und performativen Praktiken öffentlicher Geschichte besser zu verstehen, wenden sich die Beitragenden in diesem Band der kritischen Reflexion theoretischer Konzeptionen öffentlicher Geschichte wie der Erinnerungskultur, Geschichtskultur und des neuen Ansatzes der Public History zu. Sie stellen in einem zweiten Teil in Einzelanalysen ausgewählte Medien der Geschichte vor und präsentieren in einem dritten Teil Reflexionen aus der Praxis.

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Geschichte in der Öffentlichkeit. Einleitung

Christine Gundermann, Wolfgang Hasberg und Holger Thünemann

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„Zu den unübersehbaren Grundtendenzen der kulturellen Entwicklung der bundesdeutschen Gesellschaft gehört seit mehr als einem Jahrzehnt ein breites öffentliches Interesse an Geschichte, das in ganz unterschiedlichen Formen und Funktionen wirksam wird.“1 Diese Einschätzung ist zwar inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte alt, aber sie hat an Aktualität nichts verloren. Ganz im Gegenteil – die Faszination für Geschichte ist ungebrochen und sie gewinnt im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung vollkommen neue Dimensionen. So lässt sich feststellen, dass seit den 1970er Jahren das Interesse an Geschichte – deren Verlust zuvor wortreich beklagt worden war2 – in einer breiteren Öffentlichkeit neu erwacht ist. Zugleich ist offensichtlich, dass Geschichte längst nicht mehr die Leitwissenschaft ist, die sie im 19. Jahrhundert noch unbestritten war. Der eigentümliche Gegensatz zwischen Boom und abnehmender Orientierungsleistung forciert die Erforschung traditioneller und neuer Formen öffentlicher Geschichte. Zudem steht dieses ‚Mehr‘ an Geschichte mit einer Vervielfältigung der kulturellen Praktiken und Medien in Verbindung, in denen über Vergangenheit berichtet werden kann. Damit ist eine der Ursachen benannt, welche die Einschätzung von Jörn Rüsen und anderen auch als Trend des 21. Jahrhunderts zu bestätigen scheint.

Gleichzeitig ist es zu einer Pluralisierung von Forschungskonzepten gekommen, mit denen auf die Vergangenheit zugegriffen wird. Im Zuge der kulturwissenschaftlichen Wende ist es vor allem die Aufeinanderfolge der „turns“,3 mit deren Hilfe einmal die narrative, ein andermal die räumliche, ←7 | 8→die materielle, die performative oder die bildliche Dimension der Vergangenheit in den Mittelpunkt...

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