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Geschichte in der Öffentlichkeit

Konzepte – Analysen – Dialoge

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Edited By Christine Gundermann, Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der anhaltende Geschichtsboom stellt die Historiker*innen in Forschung und Praxis vor neue Herausforderungen. Die Kommunikation von Geschichte im öffentlichen Raum ist inszeniert und zweckgebunden. An sie werden Vermittlungsansprüche gestellt und doch hat öffentliche Geschichte als Teil von gegenwärtigen Erlebniskulturen nicht länger die leitende gesellschaftliche Kraft, die ihr im ausgehenden 19. Jahrhundert noch zugesprochen wurde. Um die aktuellen medialen, materiellen und performativen Praktiken öffentlicher Geschichte besser zu verstehen, wenden sich die Beitragenden in diesem Band der kritischen Reflexion theoretischer Konzeptionen öffentlicher Geschichte wie der Erinnerungskultur, Geschichtskultur und des neuen Ansatzes der Public History zu. Sie stellen in einem zweiten Teil in Einzelanalysen ausgewählte Medien der Geschichte vor und präsentieren in einem dritten Teil Reflexionen aus der Praxis.

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Zeitgeschichte als Zeitungsware

Rainer Blasius

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Abstract: Der vorliegende Beitrag präsentiert Einsichten aus dem beruflichen Alltag eines Zeithistorikers, der sich als Redakteur bei einer überregionalen Zeitung mit Zeitgeschichte befasst, und zwar auf fünf „Ebenen“: Rezensionstätigkeit, Erinnerungsarbeit, Zunftbeobachtung, Quellenvermarktung und Debattenbeteiligung.

Keywords: Auswärtiges Amt, Buchkritik, Bundeslöschtage, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Rezensionen, Verlage

Als ein Zeithistoriker, der im Frühjahr 2000 nach zwanzigjähriger Editoren-Tätigkeit, die vor allem die Kärrnerarbeit des Quellensuchens, Anmerkungschreibens sowie Registererstellens umfasst, zu einer Zeitung wechselte, möchte ich zur Kölner Ringvorlesung „Geschichte in der Öffentlichkeit“ etwas beitragen. Ist schon der Zeithistoriker selbst – wie Ernst Hanisch einmal treffend formulierte – „Teil der Geschichtspolitik seiner Gesellschaft“, von dem kritische Distanz zur Macht gefordert werden müsse, weil er sich im Spannungsverhältnis von Geschichtsschreibung und Geschichtspropaganda befinde,2 so gilt dies natürlich auch für einen Redakteur mit zuvor reichlich angehäuftem Spezialwissen, der als berufs- und lebenserfahrener Seiteneinsteiger die Chance erhielt, eine Art Multiplikatoren-Funktion auszufüllen.

Dass ein Journalist immer an seine Kundinnen und Kunden, also an die Leserschaft, zu denken hat, kommt schon im Titel des Vortrags durch das Wort „Zeitungsware“ zum Ausdruck, ohne auf die Zeitungskrisen seit 2001 oder etwa auf die Allgegenwart der „individualisierten Massenkommunikation“ samt den fatalen Auswirkungen eingehen zu wollen. Wer viele Jahre auf den Panzerplatten des Beamtentums verbringen durfte und diese freiwillig – und bei Verlust der Pensionsberechtigung – verlassen hat, dem wird erst im Nachhinein richtig bewusst, in welcher komfortablen Position sich Beschäftigte im Öffentlichen...

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