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Geschichte in der Öffentlichkeit

Konzepte – Analysen – Dialoge

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Edited By Christine Gundermann, Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der anhaltende Geschichtsboom stellt die Historiker*innen in Forschung und Praxis vor neue Herausforderungen. Die Kommunikation von Geschichte im öffentlichen Raum ist inszeniert und zweckgebunden. An sie werden Vermittlungsansprüche gestellt und doch hat öffentliche Geschichte als Teil von gegenwärtigen Erlebniskulturen nicht länger die leitende gesellschaftliche Kraft, die ihr im ausgehenden 19. Jahrhundert noch zugesprochen wurde. Um die aktuellen medialen, materiellen und performativen Praktiken öffentlicher Geschichte besser zu verstehen, wenden sich die Beitragenden in diesem Band der kritischen Reflexion theoretischer Konzeptionen öffentlicher Geschichte wie der Erinnerungskultur, Geschichtskultur und des neuen Ansatzes der Public History zu. Sie stellen in einem zweiten Teil in Einzelanalysen ausgewählte Medien der Geschichte vor und präsentieren in einem dritten Teil Reflexionen aus der Praxis.

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Geschichte(n) gestalten. Über die Arbeit von Geschichtsagenturen

Thekla Keuck und Thomas Prüfer

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Abstract: Geschichtsagenturen als historische Dienstleister auf dem Gebiet Angewandte Geschichte/Public History sind in Deutschland Ende der 1990er Jahre entstanden und sind Teil eines anhaltenden Geschichtsbooms. Sie verbinden wissenschaftliche Methoden mit Kommunikationsarbeit, indem sie Geschichte seriös erforschen, populär darstellen und multimedial gestalten. Der Aufsatz zeigt und reflektiert anhand des Praxisbeispiels „300 Jahre Duisburger Hafen“ die Herausforderungen für Geschichtsagenturen als historische Dienstleister.

Keywords: Public History, Angewandte Geschichte, Geschichtsagentur, History Marketing, Unternehmenskommunikation

Geschichtsagenturen sind Dienstleistungsunternehmen. Ihr Produkt ist die Erforschung, Darstellung und Vermittlung von Geschichte zu praktischen Zwecken. In der Regel werden sie von akademisch ausgebildeten Historiker*innen betrieben. Ihr Angebot erstreckt sich über das gesamte Feld der Angewandten Geschichte.1 Das historische Handwerkszeug verbinden Geschichtsagenturen je nach Schwerpunkt mit anderen Kompetenzen, die sie sich aneignen, einkaufen oder durch Kooperationen mit anderen Professionen beschaffen. Als Unternehmen sind sie betriebswirtschaftlich orientiert und organisiert.

Geschichtsagenturen sind ein relativ junges Phänomen. In größerer Zahl, mit kultureller wie wirtschaftlicher Relevanz und einer bis in die Gegenwart reichenden Kontinuität gibt es sie seit etwa zwei Jahrzehnten, ←239 | 240→auch wenn Spuren bis in die 1980er Jahre zurückreichen.2 Die Agenturen entstanden im Gefolge eines Geschichtsbooms, der im Kontext einer nationalen Selbstvergewisserung und Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in den späten 1970er Jahren einsetzte und einen stetig wachsenden Geschichtsmarkt schuf.3 Die steigende Nachfrage nach Geschichte und Geschichten konnten traditionelle Anbieter wie Professor*innen, Publizist*innen, Journalist*innen, Filme- und Ausstellungsmacher*innen nicht mehr befriedigen. Das lag zum einen...

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