Show Less
Restricted access

Der Weltreisende Colin Roß vor deutschem und österreichischem Publikum

Massenkulturelle Vermarktung von Kriegserfahrung und Abenteuer (1912–1938)

Katalin Teller

Das Buch analysiert die Kriegs- und Reiseberichte des Reisejournalisten und -filmemachers Colin Roß (1885–1945). Roß galt in der Weimarer Republik als einer der populärsten Vertreter der geopolitisch interessierten Reiseberichterstattung. Als höchst relevant erweist sich dabei der Umgang von Roß und seinem Publikum mit dem reiseliterarisch geprägten Topos des Abenteuers sowie der Gattung des Kriegsberichts. Durch die jeweilige Adaptierung seiner Kriegserfahrung und des Abenteuer-Elements konnte Roß seine Werke für ideologisch und kulturell unterschiedlich orientierte Publika aufbereiten. Die Autorin vergleicht die deutschen und österreichischen Produktions- und Rezeptionsbedingungen und gibt Aufschluss darüber, wie sich diese Kultfigur einen festen Platz in der Öffentlichkeit sichern konnte.

Show Summary Details
Restricted access

Anfänge, die kein Ende nehmen

Extract



Der Krieg hatte jetzt wohl aufgehört, war aber keineswegs zu Ende, und sein Ergebnis nicht festzustellen, denn alle hatten gesiegt, und alle waren besiegt worden.1

Diesen Satz aus einem 1935 im liberalen Prager Tagblatt veröffentlichten Feuilleton des Pazifisten Alfred Polgar als Motto zu einem Kapitel zu zitieren, in dem Roß’ frühe Karriere als Kriegsberichterstatter und die daraus erwachsenen Gattungskontinuitäten und -brüche unter die Lupe genommen werden sollen, bedarf einer Erklärung: Polgar malt in seinem anlässlich des Abessinienkonflikts verfassten Neuen Krieg ein Szenario, in dem die Militarisierung Europas und die sich abzeichnende Unvermeidlichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung als ein groteskes Spiel vor Augen geführt werden. Das gegenseitige Abschlachten, in dem die Lebendigen von den Toten so wenig unterscheidbar sind wie die beteiligten Nationen voneinander, tobt über und in einem Soldatenfriedhof des Ersten Weltkriegs, und droht sich nach einer kurzen und trügerisch-friedlichen Verschnaufpause wegen der weiterhin konflikthungrigen Überlebenden neu zu entfachen. Unverkennbar ist Polgars didaktische Absicht, selbst wenn sie nur noch die Exilanten erreichte, aber auch unverkennbar die treffende Diagnose von der Perpetuierung des Kriegszustandes. Die Nachwirkungen von Roß’ Kriegsteilnahmen zwischen 1912 und 1918 erweisen sich nämlich sowohl in←13 | 14→ seinem Selbstbild als auch in seiner Außenwahrnehmung, die in einem umfassenden Kriegsdiskurs von Deutschland und Österreich eingebettet sind, als ausschlaggebend.

Das Jahr 1935 bringt neben dieser Zuspitzung der politischen Gesamtlage auch den 50. Geburtstag von Roß und eine Reihe von Würdigungen, die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.