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Albert Drach und die Literaturgeschichtsschreibung

Ein Diskurs über «falsche Moral» und «falsche» Literatur

Herbert Scheschy

Das Buch rückt den Erzähler Albert Drach als Essayisten in den Mittelpunkt. Drach veröffentlichte Gedichte, Dramen und vor allem erzählende Texte und blieb als Essayist bisher nahezu unbekannt. Der Autor verdeutlicht am Thema der Literaturgeschichtsschreibung den weltanschaulichen Horizont sowie Literatur- und Moralbegriff Albert Drachs. Anhand des Essays «Literaturgeschichte ohne Namen» und der Erzählung «Das Goggelbuch» präsentiert er vertiefende Erkenntnisse zum Bild der geistigen Person Drachs, die als Autor «Zynismus» und «Protokollstil» zur Anwendung brachte und lange auf diese Attribute festgelegt blieb.

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1 Einleitung

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1  Einleitung

Albert Drach (1902–1995) gehört zu den mit einer problematischen Rezeptionssituation konfrontierten Schriftstellern der österreichischen Literatur. Veröffentlichungen seit 1919 machten ihn nach und nach einem kleineren Kreis von Literaturkennern bekannt. Durch seine Vertreibung im Zusammenhang mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde die mögliche Kontinuität einer literarischen Karriere jäh unterbrochen. Der in der vorliegenden Arbeit zu untersuchende Text „Das Goggelbuch“ stammt in den Grundzügen aus der Zeit des Exils, er markiert den Übergang von einer Phase selbstbestimmten Schaffens hin zur vorrangigen literarischen Verarbeitung des Traumas von Vertreibung und Fremde. Nach der Rückkehr nach Österreich dauerte es viele Jahre, bevor wieder Werke Drachs gedruckt wurden.

Seit den 1960er Jahren erschienen neuere Texte, unter denen vor allem autobiographisch orientierte Prosa vorübergehend lebhaft rezipiert wurde. Im Kontext der ,Bewältigung‘1 der nationalsozialistischen Vergangenheit im deutschen Sprachraum wurden Drachs Texte als stilistisch eigenwillige Dokumente der Zeitgeschichte gelesen. „Das Goggelbuch“ wurde kaum beachtet, weil es weder in das Schema der anti-faschistischen Exilliteratur hinein passt, noch als dokumentarische ,Opfer‘-Literatur aufgefasst werden kann. Stattdessen erscheint es als skurrile historisierende Kleinprosa, deren grobianische Sprache von einer gründlichen oder gar analytischen Lektüre abhalten mag. Drachs sarkastischer Stil und seine teils provokanten inhaltlichen Vorlieben scheinen nicht eben zum intensiven Studium der Geschichte eines dummen und brutalen deutschen Dieners einzuladen.

In den spärlichen und wenig umfangreichen Lexikon- und Literaturgeschichtseinträgen zu Drachs Leben und...

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