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Albert Drach und die Literaturgeschichtsschreibung

Ein Diskurs über «falsche Moral» und «falsche» Literatur

Herbert Scheschy

Das Buch rückt den Erzähler Albert Drach als Essayisten in den Mittelpunkt. Drach veröffentlichte Gedichte, Dramen und vor allem erzählende Texte und blieb als Essayist bisher nahezu unbekannt. Der Autor verdeutlicht am Thema der Literaturgeschichtsschreibung den weltanschaulichen Horizont sowie Literatur- und Moralbegriff Albert Drachs. Anhand des Essays «Literaturgeschichte ohne Namen» und der Erzählung «Das Goggelbuch» präsentiert er vertiefende Erkenntnisse zum Bild der geistigen Person Drachs, die als Autor «Zynismus» und «Protokollstil» zur Anwendung brachte und lange auf diese Attribute festgelegt blieb.

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4 Textanalyse „Das Goggelbuch“

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4  Textanalyse „Das Goggelbuch“

Wenn nun die analytische Betrachtung eines gut dokumentierten Erzähltextes erfolgt, geschieht dies unter Berücksichtigung der durch die Lektüre der LGoN gewonnenen Erkenntnisse. Insbesondere die zuvor dargestellten Überlegungen zum Literaturbegriff sollen im Hintergrund gegenwärtig bleiben. Es ist keine „heile Welt“, von der hier die Rede sein wird, daher darf man von ihr keine humorvolle „Menschlichkeit“ erwarten. Vielmehr ist von Äußerungen der Ironie und des Sarkasmus auszugehen. Das „Genüßliche“ wird zu ungeschminkter Sexualität und Brutalität, sooft die Hauptfigur des deutschen Knechts ihren unreflektierten und unabweisbaren Neigungen folgt, „denn [nicht nur] die Liebe ist ein Gemetzel für den deutschen Mann“.

4.1  Statt einer Inhaltsangabe

Das Gerüst der Ereignisse, die in der Erzählung dargestellt werden, präsentiert bei aller relativen Kürze des Werkes sehr viele Episoden, sehr viele geographische Stationen, sehr viele soziale Konstellationen. Das erinnert eher an die Aventüren-Struktur mittelalterlicher Heldenepen als an moderne Erzähltexte. Die Leser mögen bei einer ersten Lektüre feststellen, dass der Textverlauf anfangs nur missverständliche Hinweise darauf gibt, wie das Ganze im Zusammenhang zu verstehen sein wird: Eine nur vermeintlich eindeutige Exposition verspricht, dass es sich um einen komplexen hintergründigen Erzähltext handelt, die dann folgenden Episoden erscheinen jedoch eher märchen- oder abenteuerhaft. Die vermeintliche Orientierung erzeugt viele Unsicherheiten, manchmal geradezu Verwirrung. Im Folgenden wird zunächst versucht, einen Verständnisrahmen zu rekonstruieren.

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