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Albert Drach und die Literaturgeschichtsschreibung

Ein Diskurs über «falsche Moral» und «falsche» Literatur

Herbert Scheschy

Das Buch rückt den Erzähler Albert Drach als Essayisten in den Mittelpunkt. Drach veröffentlichte Gedichte, Dramen und vor allem erzählende Texte und blieb als Essayist bisher nahezu unbekannt. Der Autor verdeutlicht am Thema der Literaturgeschichtsschreibung den weltanschaulichen Horizont sowie Literatur- und Moralbegriff Albert Drachs. Anhand des Essays «Literaturgeschichte ohne Namen» und der Erzählung «Das Goggelbuch» präsentiert er vertiefende Erkenntnisse zum Bild der geistigen Person Drachs, die als Autor «Zynismus» und «Protokollstil» zur Anwendung brachte und lange auf diese Attribute festgelegt blieb.

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5 Fazit

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5  Fazit

5.1  Literaturgeschichte als Kritik an falscher Literatur und als Zeitkritik

Bis hier wurden die Bezüge zwischen der LGoN und dem „Goggelbuch“ eher in punktuellen literarhistorischen Analogien gesucht, die Anspielungen – durch Verrätselung, Nachahmung historischer Muster und Bezug auf Geschichtsfakten – in beiden Texten zwangen zum ,Quizerraten‘ und zur gründlichen Recherche. Das historische Interesse und die entsprechenden Wissenselemente überschneiden sich in beiden Texten, ein Feld der historischen Entwicklung von Literatur gehört ganz allgemein zu den dominierenden Themen bei Albert Drach.

Zugleich war zu erkennen, dass er auf breiter Front gegen diejenigen Paradigmen der Literaturgeschichtsschreibung opponiert, die seit der Herausbildung eines Konzeptes von deutscher Nationalliteratur mit der Weimarer Klassik als Brenn- und Mittelpunkt den öffentlichen Diskurs bestimmen und durch ihre nachhaltige Kanonisierung die gesamte Kulturentwicklung beherrschen. Es ist deutlich zu erkennen, dass Drach mit Vielem, was innerhalb dieses Paradigmas postuliert wird – und durch die Institutionalisierung in Kulturkritik und akademischer Lehre und Forschung machtvoll wirkt – nicht einverstanden war. Dennoch blieb er dem Kanon verpflichtet und zeigte weder in seinen Lektüreerfahrungen noch in seinen Bewertungen eine Loslösung. Dabei hat er wohl auch nicht bemerkt, dass die Kanonkritik und die Umgestaltung von Literaturgeschichtsschreibung während der Entstehung der LGoN überall in vollem Gange waren.

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