Show Less

Figur und Handlung im Märchen

Die «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm im Licht der daoistischen Philosophie 2., überarbeitete Ausgabe

Series:

Liping Wang

Diese Studie geht von einem weit außerhalb der europäisch-germanistischen Forschung liegenden Punkt aus, nämlich der fernöstlichen Philosophie des Daoismus, und eröffnet durch eine symboltheoretisch-strukturalistische Bedeutungsanalyse einen interkulturell erweiterten Zugang zu ausgewählten Texten der «Kinder- und Hausmärchen». Aus dem Handeln von 16 signifikanten Märchenfiguren extrapoliert sie Verhaltensmodelle, die sowohl grundlegend für das Weltbild in Grimms Märchen sind als auch überraschende Ähnlichkeiten mit dem Daoismus aufweisen. Mit der Kardinalfrage der Märchen: «Was ist Glück und Unglück?» gelangt die Arbeit zu einer von traditionellen Märcheninterpretationen abweichenden, sie reflektierenden und ergänzenden Antwort, die mit «der Suche nach der verlorenen (R)Einheit» anfängt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil I: Die Verhaltensmodelle und die Kinder- und Hausmärchen

Extract

57 1. Die Basis der Verhaltensmodelle: Die Philosophie von Laozi und Zhuangzi Die daoistische Philosophie etablierte sich seit dem Erscheinen der Werke Dao-De- Jing oder Laozis203 und Das wahre Buch vom südlichen Blütenland oder Zhuangzi204, deren Verfasser als Vertreter dieser Philosophie so oft zusammen erwähnt werden, dass die Lao-Zhuang-Philosophie der synonymische Ausdruck der daoistischen Philosophie ist. Diese Philosophie wird auf der breiten Skala von Zeit und Raum unterschiedlich rezipiert. Jedoch stimmen in einem fast alle überein: im Wesen ist sie eine Lebensphilosophie. Es handelt sich bei dieser Philosophie primär um die Vorstellung einer weisen Lebensführung. Ontologische, metaphysische oder reli- giöse Fragestellungen spielen in diesem philosophischen Diskurs keine Hauptrol- le. Menschen, statt der Ursprung der Welt, bilden den Fokus der Philosophie, und zwar auf eine spezifische Art und Weise: eine Fokussierung ohne zu fokussieren. Weil die Menschen und die Welt nach dieser Lebensvorstellung eine unzertrennli- che Einheit sind, versteht sich der Fokus als der große Weltzusammenhang, in dem der Mensch und seine Umwelt gleich wichtig sind. Aus dieser Vorstellung ergibt sich die fundamentale Denkweise der daoistischen Weisen: ganzheitlich. Weder Yin noch Yang (genauere Erklärung zu Yin und Yang siehe Kapitel 1.1) allein ist 203 Abel-Rémusat, der erste europäische Professor der Sinologie am Collège de France, dessen Arbeit (1823) erstmals die europäische Welt auf das „Dao“ lenkt, hat den Be- griff „Dao“ als nur schwer übersetzbar charakterisiert und logos als Äquivalent, und zwar in seiner dreifachen Bedeutung als absolutes Sein...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.