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Figur und Handlung im Märchen

Die «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm im Licht der daoistischen Philosophie 2., überarbeitete Ausgabe

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Liping Wang

Diese Studie geht von einem weit außerhalb der europäisch-germanistischen Forschung liegenden Punkt aus, nämlich der fernöstlichen Philosophie des Daoismus, und eröffnet durch eine symboltheoretisch-strukturalistische Bedeutungsanalyse einen interkulturell erweiterten Zugang zu ausgewählten Texten der «Kinder- und Hausmärchen». Aus dem Handeln von 16 signifikanten Märchenfiguren extrapoliert sie Verhaltensmodelle, die sowohl grundlegend für das Weltbild in Grimms Märchen sind als auch überraschende Ähnlichkeiten mit dem Daoismus aufweisen. Mit der Kardinalfrage der Märchen: «Was ist Glück und Unglück?» gelangt die Arbeit zu einer von traditionellen Märcheninterpretationen abweichenden, sie reflektierenden und ergänzenden Antwort, die mit «der Suche nach der verlorenen (R)Einheit» anfängt.

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3.4.3 Das Verhaltensmodell der Prinzessin

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Zusammengefasst zeigt sich das Verhaltensmodell der Prinzessin wie folgt:

Bild XXV

1. „[B]esonders aber machte sie sich über einen guten König lustig, der ganz oben stand“ (KHM Bd. 1, S. 264)

2. „Der Bettelmann führte sie an der Hand hinaus“ (Ebd., S. 265)

3. „Da kam plötzlich ein trunkener Husar dahergejagt“ (Ebd., S. 267)

4. „[D]ie bösen Tage sind vorüber, jetzt wollen wir unsere Hochzeit feiern.“ (Ebd., S. 268)

In Analogie zur Beziehung zwischen der Prinzessin und dem Froschkönig lässt sich das Verhältnis zwischen der Prinzessin und König Drosselbart erklären. Beide Königssöhne spielen in der jeweiligen Entwicklung der Prinzessinnen die gleiche Rolle. Wie der Frosch führt König Drosselbart die Heldin in eine neue Welt, die der väterlichen Welt gegenübersteht. In dem Neuland wird der in der väterlichen Welt geltende stolze Sinn – mit dualistischen Begriffen (z. B. lang und kurz, schlank und dick) zu beurteilen – gebeugt. Trotz des maskulinen Geschlechtes des Königs vertritt der ganz oben stehende König773 die umfassende mütterliche Ordnung, die die ursprüngliche Zusammengehörigkeit der Gegensätze zur Geltung kommen lässt. Vor dieser Ordnung muss die väterliche Ordnung ihren Respekt zollen, sowohl in Der Froschkönig als auch in König Drosselbart gewinnt die mütterliche Ordnung die Oberhand: beide Väter übergeben ihre Töchter der besseren, umgreifenden...

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