Show Less
Restricted access

Eine Rolle für die NATO out-of-area?

Das Bündnis in der Phase der Dekolonisierung 1949–1961

Series:

Moritz Pöllath

Die out-of-area-Debatte der NATO wurde im untersuchten Zeitraum vom Ausgreifen des Kalten Krieges auf Afrika und Asien sowie von der Kolonialpolitik fünf ihrer Partnerstaaten erfasst. Die Debatte belastete das Bündnis und übte einen maßgeblichen Einfluss auf die Struktur der NATO aus: Artikel 4 des NATO-Vertrags erlangte dabei ebenso eine herausragende Bedeutung wie die Absicht der Kolonialmächte, die USA für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Die Analyse der Allianz auf Basis multiarchivalischer Forschung, die Oral History-Projekte und Nachlässe von Politikern einschließt, trägt so zum Verständnis der Organisation bei – zumal der Aufgabenbereich der NATO bis heute zwischen den Polen regionaler Verteidigung und globaler Ordnungsfunktion schwankt.

Show Summary Details
Restricted access

1. Einleitung

Extract

← 2 | 3 →

1.    Einleitung

1.1    Untersuchungsgegenstand

„The fundamental defect of the Atlantic Alliance, however, is that it is merely – Atlantic. Actually, it is restricted to the North Atlantic.”1 Jacques Soustelle, Generalsekretär der Gaullisten in Frankreich von 1947 bis 1951, übte mit dieser Aussage in der Zeitschrift Foreign Affairs 1952 Kritik an der regionalen Ausrichtung der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO). Aus Soustelles Perspektive existierten vier geopolitische Konfliktregionen mit der Sowjetunion: in Europa, auf dem Balkan, im Nahen Osten und in Südostasien. Daher forderte er „a global alliance, that is, to meet a threat that knows no boundaries, regions or limits.“2 Auch bei der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages am 4. April 1949 hatte Lester Bowles Pearson, zu diesem Zeitpunkt Außenminister Kanadas, die folgenden zukunftsweisenden Worte geäußert: „This treaty, though born of fear and frustration, must, however, lead to positive social, economic, and political achievements if it is to live – achievements which will extend beyond the time of emergency which gave it birth, or the geographical area which it now includes.”3 Pearson blickte damit bereits bei der Gründung der NATO über die geographische Einschränkung der Allianz hinaus, der sich sein französischer Kollege Soustelle drei Jahre später anschloss, indem er die – angebliche – Atlantizität, sprich Regionalität, des Vertragsgebiets bemängelte. Beide Aussagen waren frühe Indizien für eine lebhafte Diskussion innerhalb der Allianz, ob und welche geographischen Einschränkungen für die NATO gelten sollten.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.