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Eine Rolle für die NATO out-of-area?

Das Bündnis in der Phase der Dekolonisierung 1949–1961

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Moritz Pöllath

Die out-of-area-Debatte der NATO wurde im untersuchten Zeitraum vom Ausgreifen des Kalten Krieges auf Afrika und Asien sowie von der Kolonialpolitik fünf ihrer Partnerstaaten erfasst. Die Debatte belastete das Bündnis und übte einen maßgeblichen Einfluss auf die Struktur der NATO aus: Artikel 4 des NATO-Vertrags erlangte dabei ebenso eine herausragende Bedeutung wie die Absicht der Kolonialmächte, die USA für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Die Analyse der Allianz auf Basis multiarchivalischer Forschung, die Oral History-Projekte und Nachlässe von Politikern einschließt, trägt so zum Verständnis der Organisation bei – zumal der Aufgabenbereich der NATO bis heute zwischen den Polen regionaler Verteidigung und globaler Ordnungsfunktion schwankt.

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5. Krisenjahr 1956: Ausfall der NATO-Konsultationen

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5.    Krisenjahr 1956: Ausfall der NATO-Konsultationen

Die Intervention der Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich in Ägypten hat eine lange Vorgeschichte. Seit Napoleon Bonapartes Expedition 1798 nach Ägypten waren die europäischen Großmächte vom Gedanken eines Kanals fasziniert, der die Meerenge von Suez am Roten Meer mit dem Mittelmeer verbinden würde. Napoleons Ziel war es damals, durch einen Kanal Zugang zu Britisch-Indien zu erlangen. Verwirklicht wurde das Bauprojekt schließlich von Ferdinand de Lesseps, dessen Arbeiten 1854 begannen und 1869 zur Eröffnung des 163 Kilometer langen Kanals von Suez bis Port Said führten. Die europäische Dominanz in Ägypten wurde in der folgenden Zeit bereits 1882 herausgefordert. Damals stürzte ein nationalistisch motivierter Offiziersputsch den ägyptischen Monarchen Tawfiq, der vom Westen abhängig war. Dies zog eine britische Intervention nach sich, um Sicherheit, Ordnung und Eigentumsverhältnisse wiederherzustellen, und führte zur Errichtung eines britischen Protektorats in Ägypten von 1914 bis 1921. Dem Land wurde zwar 1922 eine formelle Selbständigkeit zugestanden, aber Ägypten blieb bis Mitte der 1950er Jahre de facto eine britische Kolonie. Die britischen Truppen waren bis 1936 in ganz Ägypten präsent, in der Folge reduziert auf die Kanalzone, wodurch Großbritannien die ägyptische Außenpolitik kontrollierte.641

Diese Grundkonstellation änderte sich in der modernen ägyptischen Geschichte mit der Annullierung des Vertrages von 1936 am 15. Oktober 1951. Gefolgt von der Revolution der „Freien Offiziere“ am 23. Juli 1952, angeführt von Gamal Abdel...

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