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Leihmutterschaft in Deutschland

Rechtfertigen die Menschenwürde und das Kindeswohl ein striktes Verbot?

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Roman Lammers

Dieses Buch gewährt einen Überblick über den historischen Werdegang, die medizinischen Grundlagen und die Regelungen zur Leihmutterschaft. Es wertet aktuelle entwicklungspsychologische Studien zum Wohlbefinden der auf diese Weise geborenen Kinder aus. Der Gesetzgeber begründet das strikte Verbot der Leihmutterschaft mit erheblichen Gefahren für das Kindeswohl und die Menschenwürde. Weil das Verfahren mit der Vorstellung bricht, dass die austragende Frau auch zur sozialen Mutter wird, sieht es sich in Gesellschaft und Politik ungemeinen Kontroversen ausgesetzt. Der Autor untersucht, ob die vom Gesetzgeber behaupteten erheblichen Gefahren für das Kindeswohl und die Menschenwürde tatsächlich bestehen und ob sie das geltende strikte Verbot der Leihmutterschaft verfassungsrechtlich rechtfertigen.

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Resümee und Ausblick

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Die Vorstellung, dass eine Frau ein Kind nicht für sich, sondern für ein anderes Paar empfängt und gebiert, entfernt sich besonders weit von der derzeit üblichen Konzeption menschlicher Fortpflanzung. Wo ein (vermeintlicher) sozialer Konsens aufgebrochen wird, sind Kontroversen vorprogrammiert, die in der causa Leihmutterschaft aber allzu oft in Extreme ausschlagen: Die Fremdschwangerschaft ist weder ein allheilbringendes Verfahren, mit dem sich gefahrlos Kinderwünsche erfüllen lassen, noch stets unzumutbar für Leihmutter und Wunschkind.

Mit den häufig angeführten Kindeswohlargumenten lässt sich das strikte Verbot der Leihmutterschaft jedenfalls nicht rechtfertigen. Zu dieser Schlussfolgerung zwingen die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie, nach denen sich Leihmutterkinder im Großen und Ganzen unauffällig, in Teilen sogar außerordentlich positiv entwickeln. Ursächlich dafür ist, dass nicht die biologische oder genetische Abstammung, sondern das alltägliche, bestenfalls liebevolle und vertrauensstiftende Verhalten der Bezugspersonen entscheidend für eine stabile Persönlichkeitsentwicklung ist. Der pränatale Einfluss der Schwangeren auf das Kind ist enorm, aber nicht so unmittelbar, wie lange Zeit angenommen. Er ist weder so stark, dass der Fötus beschwerliche Momente im Seelenleben der Schwangeren nicht verarbeiten könnte, noch so schwach, dass eine anhaltende Depression der Geburtsmutter ihn unberührt ließe. Weil das Recht nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Graustufen kennt, muss die Frage nach der Zulässigkeit der Leihmutterschaft nicht mit einem „Ja“ oder einem „Nein“, sondern kann auch mit einem „Ja, aber…“ beantwortet werden. Sofern das Gesetz die n...

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