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Leihmutterschaft in Deutschland

Rechtfertigen die Menschenwürde und das Kindeswohl ein striktes Verbot?

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Roman Lammers

Dieses Buch gewährt einen Überblick über den historischen Werdegang, die medizinischen Grundlagen und die Regelungen zur Leihmutterschaft. Es wertet aktuelle entwicklungspsychologische Studien zum Wohlbefinden der auf diese Weise geborenen Kinder aus. Der Gesetzgeber begründet das strikte Verbot der Leihmutterschaft mit erheblichen Gefahren für das Kindeswohl und die Menschenwürde. Weil das Verfahren mit der Vorstellung bricht, dass die austragende Frau auch zur sozialen Mutter wird, sieht es sich in Gesellschaft und Politik ungemeinen Kontroversen ausgesetzt. Der Autor untersucht, ob die vom Gesetzgeber behaupteten erheblichen Gefahren für das Kindeswohl und die Menschenwürde tatsächlich bestehen und ob sie das geltende strikte Verbot der Leihmutterschaft verfassungsrechtlich rechtfertigen.

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Einleitung

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In Deutschland sind zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Paare aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos.1 Hieß es für die betroffenen Paare früher noch, die natürlichen Beschränkungen der Fortpflanzungsfähigkeit zu ertragen, ermöglicht es ihnen die heutige Reproduktionsmedizin vielfach, ihren Kinderwunsch dennoch zu erfüllen. In den letzten dreißig Jahren hat sich der Umgang der Gesellschaft mit ungewollter Kinderlosigkeit fundamental verändert.2 Insbesondere die Methode der Leihmutterschaft, die tradierte Konzeptionen von Mutterschaft und Familie antastet, sieht sich gesellschaftlichen Kontroversen ausgesetzt. Die Kernfrage lautet: Soll unsere Gesellschaft alles medizinisch Mögliche auch erlauben?

Im Falle der Leihmutterschaft wird das Kind von einer Frau ausgetragen, die nicht die soziale Mutter des Kindes werden soll. Vielmehr vereinbaren die Leihmutter und die Wunscheltern die spätere Übergabe des Kindes. Die Leihmutterschaft wurde von dem deutschen Gesetzgeber nach dem Aufkommen erster gesellschaftlicher Diskussionen in den 1980er Jahren durch die Novellierung des Adoptionsvermittlungsgesetzes3 und den Erlass des Embryonenschutzgesetzes4 verboten. Seit 1998 stellt § 1591 BGB klar, dass Mutter eines Kindes die Frau ist, die das Kind geboren hat. Damit unterstrich der Gesetzgeber seinen Willen, die Surrogatmutterschaft in Deutschland zu unterbinden.5 Inzwischen stehen die geltenden Regelungen aus vielfältigen Gründen auf dem Prüfstand: Die Zahl später Eltern nimmt in Deutschland kontinuierlich zu. Das Berufsbild des 21. Jahrhunderts lässt immer mehr Frauen in der fruchtbarsten Zeit ihres Lebens Karrierepläne verfolgen, bis der vorhandene Kinderwunsch schließlich mit den natürlichen Beschränkungen der...

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