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Rechnungslegung in wirtschaftlichen Krisenzeiten

Eine empirische Analyse der bilanzpolitischen Einflussnahme mittelständischer Unternehmen vor einer Insolvenz

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Bastian Rausch

Wirtschaftliche Krisenzeiten können dem Management Anreize geben, die rechnungslegungsbasierte Kommunikation des Unternehmens zu beeinflussen. Die zunehmende Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren neue Möglichkeiten für die Analyse und den Nachweis des eingesetzten bilanzpolitischen Instrumentariums eröffnet.

Der Autor führt auf Basis eines triangulatorischen Ansatzes eine umfassende Analyse der mehrperiodigen bilanzpolitischen Einflussnahme mittelständischer Unternehmen vor einer Insolvenz durch. Zu diesem Zweck erfolgt nach einer modelltheoretischen Potenzialanalyse eine qualitative und quantitative empirische Untersuchung der eingesetzten Bilanzpolitik. Die Ergebnisse der Arbeit dienen Lehrenden und Forschenden wie auch Entscheidungsträgern im deutschen Mittelstand.

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4 Erklärungsansätze und Forschungsstand

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4.1 Theoretische Fundierung bilanzpolitischer Einflussnahmen in Krisenzeiten 4.1.1 Ableitung der Erklärungsansätze Um eine mögliche bilanzpolitische Einflussnahme in wirtschaftlichen Krisenjahren theoretisch zu begründen, sind zunächst die Umstände dieser speziellen Situation zu identifizieren. Zu Beginn ist die Person oder Personengruppe der Entscheidungsträ- ger der Rechnungslegung in den Fokus zu stellen. Auch wenn in der betriebswirt- schaftlichen Theoriebildung die Fiktion des homo oeconomicus302 vorherrscht,303 kann nicht darüber hinweggesehen werden, dass individual- und sozialpsycho- logische Merkmale der Rechnungslegungsentscheider die Krisenwahrnehmung sowie den periodenspezifischen Einsatz von Bilanzpolitik mitbestimmen werden. Eine wirtschaftliche Krise innerhalb eines Unternehmens kann von jedem Ent- scheidungsträger unterschiedlich wahrgenommen werden.304 Entsprechend kann auch die bilanzpolitische Reaktion von Persönlichkeitsmerkmalen abhängig sein. Aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive ist eine individualpsychologische Be- trachtung um eine sozialpsychologische Ebene der Gruppendynamik zu erweitern, welche ebenfalls zu teils irrationalen Entscheidungen führen kann. Folglich sollten psychologische Eigenschaften der Entscheidungsträger als eine Mediatorvariable305 der betriebenen Bilanzpolitik auch in einer betriebswirtschaftlichen Diskussion nicht gänzlich ausgeklammert werden. Im Hinblick auf eine bilanzpolitische Einflussnahme ist den meisten Prozes- sen des Wirtschaftens gemein, dass diese auf impliziten oder expliziten Verträ- gen beruhen,306 welche Regelungen zur Anreizgestaltung beinhalten. Sei es der 302 Friedrich August von Hayek, vgl. Hayek (1971), S. 77, verweist für die Begründung des Begriffs des homo oeconomicus in der Nationalökonomie auf John Stuart Mill: Essays on some unsettled Questions of Political Economy, London 1844, Essay V. (vgl. Nachdruck Mill (1948)). Demnach wird der homo...

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