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Vorkoloniale Afrika-Penetrationen

Diskursive Vorstöße ins «Herz des großen Continents» in der deutschen Reiseliteratur (ca. 1850–1890)

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Florian Krobb

Die Studie untersucht, wie Reiseberichte und verwandte Publikationen diskursiv einen Sog nach Afrika erzeugten. Zentrale Verfahren sind die Inszenierung der eigenen Pionierleistung, der Rivalität mit Konkurrenten um Zugriff auf Afrika und der gegenseitigen Überbietung und Vermächtniserfüllung. Weiterhin werden thematische Bereiche – wie Sklaverei oder Despotismus in afrikanischen Gesellschaften und die Geschichtlichkeit Afrikas – behandelt, welche Begründungen bereitstellten, die das deutsche Eingreifen in afrikanische Belange nicht nur rechtfertigten, sondern angeblich erforderten. Solche Mechanismen der zunächst diskursiven Bemächtigung des Kontinents erklären, warum sich in der Beschleunigungs- und Intensivierungsphase deutscher Beschäftigung mit Afrika in den Jahrzehnten nach 1850 ein Einstellungswandel in der deutschen Öffentlichkeit vollzog, der die Inbesitznahme weiter afrikanischer Landstriche durch das Deutsche Reich 1884/85 ermöglichen half.

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Kapitel II „gewissermaassen den Vorläufer zu machen“ Sog und Überbietung

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II„gewissermaassen den Vorläufer zu machen“Sog und Überbietung

Was lockt Menschen in die Ferne, was besonders in eine Terra incognita, was nach Afrika, was in die Regionen Innerafrikas, die wahlweise als dunkel, heiß, geheimnisvoll, gefährlich galten? Joseph Conrad formuliert durch seinen Erzähler Charlie Marlow die Anziehungskraft Afrikas und besonders des in der kartographischen Abbildung als weiß markierten, in der Metaphorik seines Titels dann ‚dunkel‘ besetzten ‚Herzens‘ des Kontinents. Durch Absetzung von anderen extremen und ‚leeren‘ Weltregionen stellt Marlow die afrikanische Weiße als etwas ganz Besonderes heraus:

Now when I was a little chap I had a passion for maps. I would look for hours at South America, or Africa, or Australia, and lose myself in all the glories of exploration. At that time there were many blank spaces on the earth, and when I saw one that looked particularly inviting on a map (but they all look that) I would put my finger on it and say, When I grow up I will go there. The North Pole was one of these places, I remember. Well, I haven’t been there yet, and shall not try now. The glamour’s off. Other places were scattered about the Equator, and in every sort of latitude all over the two hemispheres. I have been in some of them, and … well, we won’t talk about that. But there was one yet – the biggest, the most blank, so to speak – that I had a hankering after.1

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