Show Less
Restricted access

Vorkoloniale Afrika-Penetrationen

Diskursive Vorstöße ins «Herz des großen Continents» in der deutschen Reiseliteratur (ca. 1850–1890)

Series:

Florian Krobb

Die Studie untersucht, wie Reiseberichte und verwandte Publikationen diskursiv einen Sog nach Afrika erzeugten. Zentrale Verfahren sind die Inszenierung der eigenen Pionierleistung, der Rivalität mit Konkurrenten um Zugriff auf Afrika und der gegenseitigen Überbietung und Vermächtniserfüllung. Weiterhin werden thematische Bereiche – wie Sklaverei oder Despotismus in afrikanischen Gesellschaften und die Geschichtlichkeit Afrikas – behandelt, welche Begründungen bereitstellten, die das deutsche Eingreifen in afrikanische Belange nicht nur rechtfertigten, sondern angeblich erforderten. Solche Mechanismen der zunächst diskursiven Bemächtigung des Kontinents erklären, warum sich in der Beschleunigungs- und Intensivierungsphase deutscher Beschäftigung mit Afrika in den Jahrzehnten nach 1850 ein Einstellungswandel in der deutschen Öffentlichkeit vollzog, der die Inbesitznahme weiter afrikanischer Landstriche durch das Deutsche Reich 1884/85 ermöglichen half.

Show Summary Details
Restricted access

Kapitel III „Die Hülfe muß von außen kommen“ Verschollenheit, Martyrium, Gefangenschaft

Extract

III„Die Hülfe muß von außen kommen“Verschollenheit, Martyrium, Gefangenschaft

1861 gibt der Litterarische Verein Stuttgart die Aufzeichnungen eines jungen Handlungsreisenden heraus, der zwischen 1573 und 1577 im Osmanischen Tripoli wegen fälschlicher Schuldforderungen („schmirbung“) französischer und venetianischer Händler in die Mühlen der orientalischen Gerichtsbarkeit geriet und während seiner langen Gefangenschaft Gelegenheit zu mancherlei Beobachtungen hatte. Dessen Eindruck „von ettlich wenig der Türckken und Arabiern sütten vnd gebreüchen“ steht ganz im Zeichen der Antithese. Bei fast allem, was er an Kultur und Gebräuchen der Tripolitaner wahrnimmt, „Erfindt sich bey vns das Widerspil“. So etwa bei der Kleidung (die Frauen tragen Hosen, die Männer keine), „die bey vns In allem das widerspil volgtt“, so beim Kirchgang: „wen sy In Ir kirchen gehn, Ziehen sy die schuch Aus vnd behalten den kopf bedöcktt, da wir gerad das widerspil Im Gebrauch haben“.1 Im Gegensatz dazu betont der Herausgeber dreihundert Jahre später in seinem „Schluszwort“ den kulturverbindenden, verständnisschaffenden Wert der Aufzeichnungen; das Beispiel von Kraffts (zeitweisem, ungewolltem und nur moderatem) kulturellen Überwechslertum gebe Anlass zu einem „versöhnungs“-Plädoyer, streiche Gemeinsamkeiten heraus mit den Orientalen (weniger mit den europäischen Konkurrenten):

Und es ist nicht blos das lebensbild einer einzelnen persönlichkeit, sondern das einer ganzen für unsere culturgeschichte oft zu wenig beachteten periode, welches sich um den bescheidenen kern eines jungen mannes herumgruppirt und uns in die stillen kreise des familienlebens und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.