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Vorkoloniale Afrika-Penetrationen

Diskursive Vorstöße ins «Herz des großen Continents» in der deutschen Reiseliteratur (ca. 1850–1890)

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Florian Krobb

Die Studie untersucht, wie Reiseberichte und verwandte Publikationen diskursiv einen Sog nach Afrika erzeugten. Zentrale Verfahren sind die Inszenierung der eigenen Pionierleistung, der Rivalität mit Konkurrenten um Zugriff auf Afrika und der gegenseitigen Überbietung und Vermächtniserfüllung. Weiterhin werden thematische Bereiche – wie Sklaverei oder Despotismus in afrikanischen Gesellschaften und die Geschichtlichkeit Afrikas – behandelt, welche Begründungen bereitstellten, die das deutsche Eingreifen in afrikanische Belange nicht nur rechtfertigten, sondern angeblich erforderten. Solche Mechanismen der zunächst diskursiven Bemächtigung des Kontinents erklären, warum sich in der Beschleunigungs- und Intensivierungsphase deutscher Beschäftigung mit Afrika in den Jahrzehnten nach 1850 ein Einstellungswandel in der deutschen Öffentlichkeit vollzog, der die Inbesitznahme weiter afrikanischer Landstriche durch das Deutsche Reich 1884/85 ermöglichen half.

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Kapitel IX „das Eindringen von Feuchtigkeit und schädlichen Insecten […] verhindern“ Stillstellung, Befriedung, Sanitierung

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IX„das Eindringen von Feuchtigkeit und schädlichen Insecten […] verhindern“Stillstellung, Befriedung, Sanitierung

In der Wahrnehmung vieler deutscher Kommentatoren haben Sklavenjäger, Raubtiere, Despoten, indigene Machthaber und andere europäische Kolonialmächte eine Gemeinsamkeit: Als Konkurrenten und Hindernisse für den direkten Zugriff auf das Land sind sie – viel mehr als friedliche indigene Ansiedlungen und Händler von nicht-humanen Waren, harmloses jagdbares Wild und nur lose organisierte Siedlerbevölkerungen – aktive Widerstandskräfte. In dieser Eigenschaft unterscheiden sie sich auch von natürlichen Hindernissen wie dichten Wäldern, reißenden Flüssen, wasserlosen Wüsten, mächtigen Unwettern, fieberverseuchten Sümpfen: Die letzteren bleiben sich in ihrer Art immer gleich, und auch wenn zum Beispiel das Auftreten eines Unwetters oder das Anschwellen eines Flusses zunächst unberechenbar scheinen mögen, so kann das Studium einer Naturkatastrophe zur Bewältigung der nächsten beitragen, kann das Verständnis der Zyklen der Natur ungünstige Reisezeiten identifizieren helfen, erreicht die Trockenlegung von Sümpfen und das Schlagen von Schneisen in dichte Dschungel eine permanente Reduktion des Unberechenbarkeitspotenzials der Hindernisse. Ernsthaftere Gefährdungen gehen in erster Linie von solchen Kräften aus, die mit einem eigenen Willen und der Fähigkeit, diesen Willen umzusetzen, ausgestattet sind, die sich organisieren und Unberechenbarkeit als Angriffswaffe (und nicht etwa lediglich als Fluchtmittel) einsetzen können. Dies trifft auf Elefanten- und Büffelherden ebenso wie auf ‚despotische‘ Führer und ihre ‚fanatischen‘ Gefolgsleute zu, auf trickreiche britische Kapitäne wie auf Sklavenhändler, die auch vor...

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