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Selbstverständnis im Spannungsfeld zwischen Diesseits und Jenseits

Die Lübecker Ratsherrenwitwen Telse Yborg (gest. vor 1442), Wobbeke Dartzow (gest. 1441/42) und Mette Bonhorst (gest. 1445/46)

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Ulrike Förster

Die Frauen der spätmittelalterlichen Ratsherren und Hansekaufleute wurden in der sozial- und wirtschaftshistorischen Forschung bisher kaum berücksichtigt. Ausgehend von diesem Defizit beschäftigt sich die Studie mit den Testamenten von drei Lübecker Ratsherrenwitwen. Dabei werden auch kultur- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen aufgegriffen. Die Autorin analysiert die Vermächtnistexte – wegen ihrer kommunikativen Funktion in Anlehnung an die neuere Forschung auch als Selbstzeugnisse gedeutet – vor dem Hintergrund der von ihr ermittelten Biographien der Testatorinnen und mit Blick auf zeitgenössische konventionelle Handlungsmuster und Rollenbilder, um Personenaspekte der drei Frauen ableiten und ihnen als historischen Personen «ein Gesicht» geben zu können.

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2. Die Textsorte Testament als historische Quelle

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2.  Die Textsorte Testament als historische Quelle

Abstract: Last wills from medieval Lübeck were first of all a juridical instrument with instructions concerning the testators’ afterlife and the posthumous distribution of (financial) assets. But in addition and from an action-theoretical point of view they can also be seen as egodocuments because of their communicative function.

In den spätmittelalterlichen Lübecker Bürgertestamenten wurden die Bestimmungen der Erblasser zur Weitergabe von Vermögenswerten nach ihrem Tod festgehalten. Dabei handelte es sich zwar um rechtlich bindende Willenserklärungen, die aber, zum Beispiel aufgrund veränderter materieller Möglichkeiten, nicht zwangsläufig zur Ausführung kommen mussten.49 Über den eigentlichen Errichtungsvorgang ist wenig bekannt, jedoch deuten Handschriftenuntersuchungen darauf hin, dass die Aufzeichnung der letztwilligen Verfügungen eines Testators durch professionelle Schreiber erfolgte, die B. Noodt im „Umkreis“ der städtischen Kanzlei vermutet.50 Die scrivere setzten die Willensbekundungen eines Erblassers in ein rechtssprachliches Formular mit einer festen Struktur um – wie groß ihr Einfluss auf die sonstige sprachliche Ausgestaltung des Textes war, das heißt ob sie möglicherweise auch von sich aus Ergänzungen einfügten, die über die Angaben des Testators hinausgingen, lässt sich anhand der Vermächtnistexte nicht feststellen.

2.1  Testamente als Rechtsinstrument

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