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Selbstverständnis im Spannungsfeld zwischen Diesseits und Jenseits

Die Lübecker Ratsherrenwitwen Telse Yborg (gest. vor 1442), Wobbeke Dartzow (gest. 1441/42) und Mette Bonhorst (gest. 1445/46)

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Ulrike Förster

Die Frauen der spätmittelalterlichen Ratsherren und Hansekaufleute wurden in der sozial- und wirtschaftshistorischen Forschung bisher kaum berücksichtigt. Ausgehend von diesem Defizit beschäftigt sich die Studie mit den Testamenten von drei Lübecker Ratsherrenwitwen. Dabei werden auch kultur- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen aufgegriffen. Die Autorin analysiert die Vermächtnistexte – wegen ihrer kommunikativen Funktion in Anlehnung an die neuere Forschung auch als Selbstzeugnisse gedeutet – vor dem Hintergrund der von ihr ermittelten Biographien der Testatorinnen und mit Blick auf zeitgenössische konventionelle Handlungsmuster und Rollenbilder, um Personenaspekte der drei Frauen ableiten und ihnen als historischen Personen «ein Gesicht» geben zu können.

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3. Die Lebenswelt der Testatorinnen

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3  Die Lebenswelt der Testatorinnen

3.1  Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Abstract: As widows of wealthy merchants and councillors the three women belonged to the highest stratum of the society of Lübeck. With the exception of Mette Bonhorst they belonged to families (potentially) present in the towns council. Both their social position and their status as widows were connected to certain roles following conventional principles and expectations due to the late-medieval Christian moral code.

Telse Yborg, Wobbeke Dartzow und Mette Bonhorst – vermutlich zwischen 1355 und 1380 geboren – lebten in einer Zeit, die zum einen durch die immer wiederkehrenden Pestzüge in Lübeck und durch Konjunkturkrisen, zum anderen aber durch kriegerische Auseinandersetzungen und innerstädtische Unruhen bzw. Spannungen unter den Hansestädten geprägt war. Durch die großen Pestepidemien und die damit verbundenen Bevölkerungsverluste, aber auch aufgrund von klimatisch bedingten Missernten und den damit verbundenen Teuerungen kam es ab den 1370er Jahren europaweit (erneut) zu einer lang anhaltenden wirtschaftlichen Depression, von der auch die Lübecker Hansekaufleute betroffen waren, da sich Kaufkraftverluste und der Rückgang der Nachfrage auf deren Handel auswirkten.103 Der Warenverkehr mit Flandern wurde zudem zeitweilig durch den Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich beeinträchtigt. Auch der Handel mit Novgorod wurde ab den 1370er Jahren unter anderem durch Handelsblockaden erschwert und verlagerte sich ab dem 15. Jahrhundert zunehmend in die livländischen Städte, wo den Nicht-Revaler Kaufleuten die Teilhabe am Russlandhandel nur über einheimische...

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