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Die Transgressionen der Bibelfiguren in der Prosa von Georg Trakl

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Andrzej Pilipowicz

Dieses Buch analysiert die Modelle der biblischen Gestalten in der Prosa von Georg Trakl. Für Trakl gilt die Bibel nicht nur als eine große Inspirationsquelle. Sie ist auch als ein ständiger Bezugspunkt zu betrachten, der ihn seine eigene Position in der Welt bestimmen lässt. Der Autor untersucht auch die Prosadichtungen, die in formaler Hinsicht den Charakter der Prosa aufweisen. Mit der Aufnahme der Gedichte zielt der Autor nicht nur darauf ab, die behandelte Problematik in möglichst vollem Umfang darzustellen, sondern auch Trakls Rezeption des Christentums in ihrem chronologischen Verlauf zu erfassen.

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Zusammenfassung

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Das Fundament der christlichen Religion bilden die dogmatischen Akte, die Trakl von den Bibelfiguren trennt und in den interpersonalen Bereich einsetzt, der zwischen ihm, seinen Figuren und den Rezipienten entsteht. Auf diese Weise werden die als Chiffren der Existenz geltenden Dogmen enger mit der Existenz des Menschen verknüpft, der um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in den Sog der axiologischen Destabilisation gerät. Einerseits wird der semantische Wert der Dogmen nicht nur vertieft, sondern auch dynamisiert. Andererseits wird die Kondition der christlichen Religion problematisiert, weil sie mit der komplizierten Natur des Menschen konfrontiert wird, dessen vielfältige Identitätsmuster von der Zivilisationsentwicklung stärker als je zuvor enthüllt werden. Der Mensch, der an der Schwelle der neuen Epoche erscheint, lässt die restriktiv-radikale Haltung des Christentums in Frage stellen.

Im Werk Traumland und im Werk Verlassenheit implizieren die fiktiven Gestalten die biblischen Figuren, was auf die tiefe Verwurzelung der christlichen Ideen in der künstlerischen Denkweise hinweist. Kann sich die Gottesmutter Maria hinter der Protagonistin im ersten Werk verbergen, so vermag der biblische Adam dem Protagonisten im zweiten Werk zu entschlüpfen. Eine – nicht mehr trenszendent, sondern immanent bedingte – Interferenz zweier biblischer Gestalten vollzieht sich ebenfalls in den Texten aus dem Zyklus Aus goldenem Kelch – Barrabas und Maria Magdalena –, wodurch die Variabilität des christlichen Gedankenguts bewusst gemacht wird. Während Christus durch die Figur von Barrabas schimmert, wohnen der Figur von Maria Magdalena die Züge von Salome inne. Dadurch, dass...

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