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Die Transgressionen der Bibelfiguren in der Prosa von Georg Trakl

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Andrzej Pilipowicz

Dieses Buch analysiert die Modelle der biblischen Gestalten in der Prosa von Georg Trakl. Für Trakl gilt die Bibel nicht nur als eine große Inspirationsquelle. Sie ist auch als ein ständiger Bezugspunkt zu betrachten, der ihn seine eigene Position in der Welt bestimmen lässt. Der Autor untersucht auch die Prosadichtungen, die in formaler Hinsicht den Charakter der Prosa aufweisen. Mit der Aufnahme der Gedichte zielt der Autor nicht nur darauf ab, die behandelte Problematik in möglichst vollem Umfang darzustellen, sondern auch Trakls Rezeption des Christentums in ihrem chronologischen Verlauf zu erfassen.

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1. Bibel und Mythologie

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1.1. Traumland

In dem Prosatext Traumland. Eine Episode sind zahlreiche Elemente zu finden, die deutlich an die einzelnen Stellen in der Bibel – im Alten und Neuen Testament – anknüpfen. Der Kreis der biblischen Geschichten wird nicht nur von der Narration signalisiert, der wegen der fehlenden Dialoge an den dialogkargen Text der Bibel denken lässt, sondern auch von dem Vokabular evoziert, der auf die biblischen Gestalten hinweist: Der Name Maria, der der Name von Trakls Protagonistin ist und nicht nur mit der Gottesmutter zu identifizieren ist, sondern auch an die Gestalt von Maria Magdalena erinnert; das Leiden, das zu dem Tod der Protagonistin führt und das in den Tod mündende Leiden von Christus ins Gedächtnis ruft; und der Garten, der mit dem Garten Eden und mit dem Garten Getsemani assoziiert werden kann. Der biblische Kontext wird aber vor allem von vielschichtigen Metaphern gebildet, wofür der Anfang von Trakls Text als Beispiel dienen kann. Die Glückseligkeit, die aus den Erinnerungen des Protagonisten hervorgeht, kennzeichnet nicht nur die Existenz des sowohl vom Bild des Schoßes hervorgerufenen als auch Geist und Natur in sich vereinigenden Kindes, sondern auch die Existenz der ersten Menschen – Adam und Eva – im Garten Eden, wo sich ihr Aufenthalt durch Behaglichkeit auszeichnet. Die in der Stadt herrschende Stimmung, die jeder Feindseligkeit beraubt ist und deswegen kindlich-paradiesisch anmutet, ergänzen die Einwohner, die sich „ohne Scheu“ (Trakl 1987: 109) vertrauen und so der sowohl im Kind als auch im Garten...

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