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Die Transgressionen der Bibelfiguren in der Prosa von Georg Trakl

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Andrzej Pilipowicz

Dieses Buch analysiert die Modelle der biblischen Gestalten in der Prosa von Georg Trakl. Für Trakl gilt die Bibel nicht nur als eine große Inspirationsquelle. Sie ist auch als ein ständiger Bezugspunkt zu betrachten, der ihn seine eigene Position in der Welt bestimmen lässt. Der Autor untersucht auch die Prosadichtungen, die in formaler Hinsicht den Charakter der Prosa aufweisen. Mit der Aufnahme der Gedichte zielt der Autor nicht nur darauf ab, die behandelte Problematik in möglichst vollem Umfang darzustellen, sondern auch Trakls Rezeption des Christentums in ihrem chronologischen Verlauf zu erfassen.

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2. Religion und Inzest

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2.1. Verwandlung des Bösen

In der Prosadichtung Verwandlung des Bösen werden christliche und antike Elemente, die sowohl direkt als auch indirekt zum Ausdruck kommen, miteinander kombiniert und in Anlehnung an die den Inzest andeutenden Metaphern (Matt 1994: 289) kontextualisiert. Die einzelnen Bilder, die im Text dargestellt werden, betreffen unterschiedliche Aspekte des Todes, der als eine den Austritt aus der Wirklichkeit bedingende Kraft gilt und die Existenzverschiebungen determiniert, wodurch die christlichen Elemente mit dem Inzest verkoppelt werden – Existenzverschiebungen, die in zwei Richtungen verlaufen: in Richtung Tod und in Richtung Schoß. Verlässt Christus den Raum der Wirklichkeit infolge des der Auferstehung vorangehenden Todes, wodurch er in dem vom Himmel angedeuteten Bereich Gottes (Trzeciakowski 2001: 30) erscheint, so zielt der Inzestbetroffene darauf ab, den Raum der Wirklichkeit zu verlassen und in dem vom Schoß abgesteckten Bereich der Mutter wieder aufzutauchen. Im Gegensatz zu Christus, der infolge des Todes die Grenze der Wirklichkeit überschreitet und seine Form nach der Auferstehung nicht verliert, verlassen die sterbenden Gestalten aus der Mythologie den Raum der Wirklichkeit nicht, sondern nehmen eine andere Form an. Die Existenz der Inzestbetroffenen wird auf den Geist reduziert, der sie unabhängig von ihrer Form außerhalb der Wirklichkeit agieren lässt.

Der Mechanismus, der den Austritt aus der Wirklichkeit bestimmt, wird von dem am Anfang des Werks genannten Herbst (Eykman 1985: 91–92) signalisiert. Der Herbst gilt nämlich als eine Jahreszeit, die die durch die Natur bedingten und in den Existenzzyklus eingeschlossenen...

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