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Die Transgressionen der Bibelfiguren in der Prosa von Georg Trakl

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Andrzej Pilipowicz

Dieses Buch analysiert die Modelle der biblischen Gestalten in der Prosa von Georg Trakl. Für Trakl gilt die Bibel nicht nur als eine große Inspirationsquelle. Sie ist auch als ein ständiger Bezugspunkt zu betrachten, der ihn seine eigene Position in der Welt bestimmen lässt. Der Autor untersucht auch die Prosadichtungen, die in formaler Hinsicht den Charakter der Prosa aufweisen. Mit der Aufnahme der Gedichte zielt der Autor nicht nur darauf ab, die behandelte Problematik in möglichst vollem Umfang darzustellen, sondern auch Trakls Rezeption des Christentums in ihrem chronologischen Verlauf zu erfassen.

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Einführung

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Problem

Die Texte von Georg Trakl (1887–1914) beziehen sich nicht nur auf die Unmöglichkeit, die Distanz zwischen dem Menschen und der Welt zu vermindern, sondern drücken auch sein Verhältnis zur christlichen Religion aus, wodurch er seinen Beitrag zu der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geführten Polemik mit dem Christentum (Leppmann 2005: 101) leistet. In der Zeitwende, die eine symbolische Trennungslinie zwischen der die Tradition versinnbildlichenden Welt des vergehenden Jahrhunderts und der die Technisierung des Lebens anstrebenden Welt des kommenden Jahrhunderts markiert, spiegelt sich auch der Tod von Trakl wider, weil seine Existenz von der die Achse der Symmetrie bildenden Jahrhundertwende ‚entzweigebrochen‘ wird und in zwei fast gleiche Teile zerfällt: in eine dreizehnjährige Periode vor und in eine vierzehnjährige Periode nach dem Jahr 1900. Als Beispiel für das oppositionelle Denken an die Religion kann das Werk Antichrist von Friedrich Nietzsche angegeben werden, in dem die Rezeption des Christentums einer tiefgründigen Kritik unterzogen wird. Nietzsche bezeichnet die Begrenzungen, die den Menschen von der christlichen Religion auferlegt werden, als lebenswidrig (Nietzsche 1988d: 189) und stellt das Jenseits, auf das ihre Existenz von der Religion ausgerichtet wird, mit dem Nichts gleich (Nietzsche 1988d: 217), wodurch er dagegen auftritt, das Leben nur auf den vom Jenseits intensivierten Tod zurückzuführen und es als einen im Moment der Geburt beginnenden Prozess des Sterbens zu betrachten.

Unter zahlreichen Bibelgestalten, die als literarisches Motiv besonders häufig aufgegriffen...

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