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Ordnungsvorstellungen im deutschen Offizierskorps 1915–1923

Friedrich von Boetticher, Oskar von Niedermayer, Hans von Seeckt

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Grischa Sutterer

Ab 1915 entwickelte sich innerhalb eines Segments des Offizierskorps ein politischer Ordnungsanspruch, der in der Weimarer Republik seine Wirkung entfaltete. Dieser Vorgang wird in der Studie mithilfe des biografischen Ansatzes anhand der drei zentralen Offiziere analysiert. Die dabei verfolgten innenpolitischen Ordnungsentwürfe lassen sich als Fortschreibung ideeller Traditionen der inklusiv-korporativen Auslegung des Konzeptes der Volksgemeinschaft verstehen. Außenpolitisch war die Manifestation dieser Gestaltungsabsicht die militärische Kooperation zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion, die über eine militärisch-technokratische Dimension hinauswies und einen politischen Charakter durch Beeinflussung der außenpolitischen Orientierung der Weimarer Republik hatte.

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VI. Die Veränderung der politischen Struktur der Weimarer Republik durch den Kapp-Lüttwitz Putsch und den Ruhraufstand

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VI.1 Der Kapp-Lüttwitz Putsch als Konflikt zwischen militärpolitischen Konzeptionen zur Integration der Armee in den Staat unter den Bedingungen der industrialisierten Massengesellschaft Der Kapp-Lüttwitz Putsch wird in der geschichtswissenschaftlichen For- schung als entscheidende Weichenstellung innerhalb der Frühphase der Weimarer Republik angesehen, sowohl für die Integration der militärischen Strukturen in das entstehende Staatswesen als auch für die Formierung der politischen Lager. Innerhalb des Militärs war der Putsch eine Entschei- dung über drei verschiedene Konzeptionen, denen unterschiedliche Pro- gramme für das Verhältnis zwischen dem Militär und anderen staatlichen Institutionen zugrunde lagen. Von Seeckts Vorstellung einer von anderen staatlichen Institutionen unabhängigen Armee, deren oberste Führung gleichzeitig Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen sollte, sowie die Konzeption Reinhardts der Etablierung einer parlamentarischen Kontrolle über die Reichswehr standen im März 1920 nicht nur vor dem Hintergrund unterschiedlicher Definitionen des Begriffes Politik und der damit einhergehenden verschiedenen staatlichen Ordnungskonzeptionen in direkter Opposition zueinander. Sie wurden gleichzeitig von dritter Seite herausgefordert. Die Reduzierung des Heeres hatte zu einer enormen Un- zufriedenheit innerhalb der Armee geführt. Viele Offiziere, deren Lebens- planung auf eine dauerhafte Karriere innerhalb der Armee ausgerichtet war, standen nach Unterzeichnung des Versailler Vertrages vor dem Nichts. Dies war enormer sozialer Sprengstoff, der zusammen mit den unklaren Loyalitäten innerhalb der Freikorps die Verhältnisse schuf, unter denen ein Putsch möglich war.178 178 Vgl. Erger, Johannes: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch, Düsseldorf 1967, S. 57. 86 Die Freiwilligenverbände beruhten oft auf...

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