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Ordnungsvorstellungen im deutschen Offizierskorps 1915–1923

Friedrich von Boetticher, Oskar von Niedermayer, Hans von Seeckt

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Grischa Sutterer

Ab 1915 entwickelte sich innerhalb eines Segments des Offizierskorps ein politischer Ordnungsanspruch, der in der Weimarer Republik seine Wirkung entfaltete. Dieser Vorgang wird in der Studie mithilfe des biografischen Ansatzes anhand der drei zentralen Offiziere analysiert. Die dabei verfolgten innenpolitischen Ordnungsentwürfe lassen sich als Fortschreibung ideeller Traditionen der inklusiv-korporativen Auslegung des Konzeptes der Volksgemeinschaft verstehen. Außenpolitisch war die Manifestation dieser Gestaltungsabsicht die militärische Kooperation zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion, die über eine militärisch-technokratische Dimension hinauswies und einen politischen Charakter durch Beeinflussung der außenpolitischen Orientierung der Weimarer Republik hatte.

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VII. Die Politik der Reichswehr: Das Deutsche Reich, Sowjet-Russland und die panturanische Bewegung

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VII.1 Der Revisionismus als Basis für deutsch-sowjetische Sondierungen Es handelte sich dabei um eine mögliche Kooperation mit Sowjet-Russland auf wirtschaftlicher und militärischer Ebene. Der genaue Beginn der An- bahnung von Kontakten deutscher Militärs zu Abgesandten der bolsche- wistischen Regierung lässt sich nicht vollständig rekonstruieren, er lag im Zwielicht der revolutionären Ereignisse im Berlin des Jahres 1919. Karl Radek, einer der langjährigen Unterstützer Lenins, war gegen Ende 1918 als „Vertreter der russischen Sowjetrepublik“ nach Deutschland ge- reist. Radek sprach auf dem Gründungsparteitag der KPD und versuchte bereits dort die deutschen Genossen von einer „Wehrhaftmachung des deutschen Volkes“ zu überzeugen, die einen „Waffenbund“ Russlands und Deutschlands gegen die Entente ermöglichen sollte, freilich unter bolsche- wistischen Vorzeichen.219 In den Wirren der Straßenkämpfe des Winters 1918/1919 versuchte Radek sich versteckt zu halten, wurde aber vom Freikorps Reinhardt bereits am 12. Februar 1919 festgenommen. Radek konnte bald nach seiner Festnah- me im Gefängnis in Berlin-Moabit sowie ab Dezember 1919 in der Privat- wohnung des Freiherrn von Reibnitz, der Radek Mitte Dezember 1919 mit Genehmigung der Behörden in seine Wohnung überführt hatte und später als Nationalbolschewist verortet wurde, nahezu ungestört Gäste empfangen. Unter diesen befanden sich neben Parteifunktionären der KPD auch führende Persönlichkeiten der Weimarer Republik, deren unterschiedliche politische Orientierung ein Zusammentreffen mit einem der bedeutendsten bolsche- wistischen Intellektuellen unwahrscheinlich erscheinen lässt. Radek emp- fing Oberst Max Bauer, eine der führenden Pers...

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