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Ordnungsvorstellungen im deutschen Offizierskorps 1915–1923

Friedrich von Boetticher, Oskar von Niedermayer, Hans von Seeckt

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Grischa Sutterer

Ab 1915 entwickelte sich innerhalb eines Segments des Offizierskorps ein politischer Ordnungsanspruch, der in der Weimarer Republik seine Wirkung entfaltete. Dieser Vorgang wird in der Studie mithilfe des biografischen Ansatzes anhand der drei zentralen Offiziere analysiert. Die dabei verfolgten innenpolitischen Ordnungsentwürfe lassen sich als Fortschreibung ideeller Traditionen der inklusiv-korporativen Auslegung des Konzeptes der Volksgemeinschaft verstehen. Außenpolitisch war die Manifestation dieser Gestaltungsabsicht die militärische Kooperation zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion, die über eine militärisch-technokratische Dimension hinauswies und einen politischen Charakter durch Beeinflussung der außenpolitischen Orientierung der Weimarer Republik hatte.

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X. Zusammenfassung

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139 X. Zusammenfassung Die Mentalität des Offizierskorps des Deutschen Reiches wurde entschei- dend von den gesamtgesellschaftlichen Wandlungsprozessen der Jahre 1880 bis 1918 beeinflusst. Deutschlands rapider Übergang in die Industriemoder- ne im Zusammenhang mit der zweiten Phase der Industrialisierung ging einher mit massiven Veränderungen, die sich innerhalb der deutschen Armee und der Intellektuellenschicht in Reaktion auf die Expansion von Industrie, Technik und Wissenschaft manifestierten. Für die deutsche Armee galt es, den technischen Fortschritt für die Kriegsführung nutzbar zu machen. Ein Vorgang, der eine Ausweitung der traditionellen adeligen Rekrutierungs- basis des Offizierskorps auf Personen mit bürgerlichem Bildungshintergrund notwendig machte, um das technische Fachwissen, welches auf dem zivilen Bildungsweg vermittelt wurde, in die Planungen und die Organisation der Armee zu integrieren. Diese Entwicklung führte dazu, dass der Nationalismus im Zuge der inneren Reichsgründung als Hintergrund der Sozialisierung innerhalb des Offizierskorps die vormilitärische Standessozialisierung als Grundlage der ideellen Kohäsion der Führungsschicht der Armee ersetzte. Der preußische Generalstab als diskursdominierende Institution innerhalb der deutschen Armee definierte das Militär als vollziehende Gewalt der inhärenten Gesetze des Machterhalts des deutschen Nationalstaates, die mithilfe eines diskur- siven Rückgriffs durch die Studien des Generalstabes definiert wurden. Die militärische Effizienzsteigerung im Rahmen nationalstaatlicher Organisation der industrialisierten Massengesellschaft wurde so neben der traditionellen Bindung des preußischen Militärs an den Monarchen das ideelle Fundament des preußisch dominierten gesamtdeutschen Offizierskorps. Diese Dienst- auffassung, welche beinhaltete, dass die Armee über den „Parteienkämpfen“ innerhalb der...

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