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Musik und die Ordnung der Dinge im ausgehenden Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

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Karsten Mackensen

Die «Musica» ist in Weltvorstellungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit oft nicht nur ein Bestandteil des Wissens neben vielen anderen, sondern stellt ein übergeordnetes Ordnungsprinzip dar. Erstmals untersucht dieses Buch die genaue Stellung von Musik innerhalb der universalen Ordnung der Dinge, wie sie sich in enzyklopädischen Texten auch jenseits des fachdisziplinären Diskurses darstellt. Anhand zentraler Leitthemen wie Produktivität, Kombinatorik und Kosmologie führt die Untersuchung von der mittelalterlichen Logik Ramon Llulls über zahlreiche Stationen bis hin zur Weltkonzeption Athanasius Kirchers. Noch im 17. Jahrhundert, so wird deutlich, kann die Rolle der Musik nur vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirksamkeit mystischer, magischer und kosmologischer Denkweisen verstanden werden.

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Spekulative Musiktheorie? Jacques Lefèvre

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Philologie und Mystik – Fabers Musiktheorie im Kontext

Mit Jacques Lefèvre d’Étaples (Jacobus Faber Stapulensis, ca. 1455–1536) wurde der Lullismus in der Pariser Uni wieder hoffähig – er wurde zur zentralen Figur des französischen Renaissance-Lullismus.377 In der Zeit zwischen 1494 und 1516 betrieb Lefèvre die Rehabilitierung des Katalanen; in dieser Zeit gab er auch die erste Druckausgabe der Werke Llulls außerhalb Kataloniens heraus.378 Sein Schüler Charles de Bouvelles (de Bovelles; Carolus Bovillus, ca. 1475 – nach 1566) publizierte die erste gedruckte Llull-Biographie (Paris 1511).379 Lefèvre schloss, darin Cusanus nicht unähnlich, vorrangig an das mystische und kontemplative Programm Llulls an. Dieser Zusammenhang ist nicht zufällig; Faber edierte 1514 Nicolai Cusae Cardinalis Opera in drei Bänden.380 Zugleich war er – und in dieser Kombination scheint diese eine geradezu idealtypische Konstellation für Musik-Konzepte der sich historisch anschließenden Phase einer vielgestaltigen wechselseitigen Durchdringung magischer, spekulativer und anwendungsorientierter Aspekte in der Musiktheorie des 16. und 17. Jahrhunderts zu sein – eine wichtige Figur in der Boethius-Renaissance des ausgehenden 15. Jahrhunderts.381 Nicht weniger wichtig für diese spätere Wirkung, tritt schließlich als drittes Element ← 153 | 154 → Fabers Gerson-Rezeption hinzu, die vor allem in der spezifischen Spiritualität seiner Anhänger, der „Fabristen“, mit ihrer Verbindung von Respekt vor der Orthodoxie und Bestreben nach einer persönlichen, intimen und affektiven Religion ihren Ausdruck fand.382 Magische Elemente spielen dabei keine geringe Rolle; sie lassen sich nicht zuletzt auch konkret biographisch mit Schl...

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