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Das preußische Fideikommiss

Studien zu seiner nationalökonomischen Funktion im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus

Fusao Kato

Die wirtschaftshistorische Untersuchung thematisiert mit dem preußischen Fideikommiss ein altes, traditionelles Rechtsinstitut, dessen Ursprung weit ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Dadurch wird es oftmals als ein unzeitgemäßes Phänomen behandelt, das lediglich eine reaktionäre oder rückschrittliche Rolle gespielt habe. Dieses Desinteresse gilt auch Max Weber und seiner Abhandlung zur Fideikommissfrage. Dieses Buch überprüft, ob Webers Arbeit weiterhin in der Forschung vernachlässigt werden darf. Es wirft die Frage auf, ob Weber ein rundweg negatives Urteil abgegeben hat, und weist darauf hin, dass die Besitzer der preußischen Fideikommisse nicht nur aus dem Inland kamen, sondern aus breit gestreuten Gebieten Europas. Die Analyse gilt den inter- wie transnationalen Aspekten der vielfältigen Problematik und beleuchtet die Wirklichkeit der Fideikommisse im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus.

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Zusammenfassung

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(1) Max Webers Abhandlung zur preußischen Fideikommissfrage steht im Kontext seiner folgerichtigen Theorie des Aufstiegs des imperialistischen deutschen Kapitalismus. Das ist der kardinale Grund dafür, dass er die Zulassung zahlreicher kleinerer Fideikommissgründungen vehement kritisierte, die „das bürgerliche deutsche Kapital von dem Weg ökonomischer Eroberungen in der weiten Welt auf die Bahn der Schaffung von Rentiersexistenzen in verstärktem Maße lenkt“.356 Bezüglich des »Entwurfs« von 1903 erwähnte Weber jedoch nicht die Beschränkung des Anwartschaftsrechts auf deutsche Reichsangehörige, die eine Art nationalistische Klausel bedeutete. Insofern scheint mir, dass einige wichtige ungelöste Fragen zum Fideikommiss weiterhin fortbestehen.

(2) Je heftiger der deutsche Kapitalismus, entsprechend der allgemeinen Natur des klassischen Imperialismus, seine Territorien zu erweitern versuchte, desto unvermeidlicher zielte er nicht nur auf Kolonien außerhalb des Deutschen Reichs, sondern auch auf solche innerhalb des Landes, ← 149 | 150 → nämlich auf den dort bestehenden Großgrundbesitz in den Händen nichtdeutscher Besitz. Und dieser Grundbesitz wurde schließlich von der preußisch-deutschen Regierung auch akquiriert. Die deutsche Nation verlangte heiß nach Groß- wie Kleingrundbesitz. Das Interesse an weiterem Grundeigentum, das dem Adel wie den Bauern eigentümlich war, wurde so noch einmal grundlegend verstärkt. Dieser doppelte Bodenhunger hat die Bodenpolitik des deutschen Kapitalismus entscheidend geprägt. Die oben gemachten Ausführungen und die Einzelfallanalysen zu den Fideikommissen belegen diesen unteilbaren Zusammenhang, diese Wechselbeziehungen zwischen »Kapitalismus und Grundeigentum«. Mir will scheinen, dass die tiefgreifende Bedeutung des Fideikommisses f...

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