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Das preußische Fideikommiss

Studien zu seiner nationalökonomischen Funktion im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus

Fusao Kato

Die wirtschaftshistorische Untersuchung thematisiert mit dem preußischen Fideikommiss ein altes, traditionelles Rechtsinstitut, dessen Ursprung weit ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Dadurch wird es oftmals als ein unzeitgemäßes Phänomen behandelt, das lediglich eine reaktionäre oder rückschrittliche Rolle gespielt habe. Dieses Desinteresse gilt auch Max Weber und seiner Abhandlung zur Fideikommissfrage. Dieses Buch überprüft, ob Webers Arbeit weiterhin in der Forschung vernachlässigt werden darf. Es wirft die Frage auf, ob Weber ein rundweg negatives Urteil abgegeben hat, und weist darauf hin, dass die Besitzer der preußischen Fideikommisse nicht nur aus dem Inland kamen, sondern aus breit gestreuten Gebieten Europas. Die Analyse gilt den inter- wie transnationalen Aspekten der vielfältigen Problematik und beleuchtet die Wirklichkeit der Fideikommisse im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus.

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II. Weitere mit dem Fideikommiss zusammenhängende Probleme

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II.   Weitere mit dem Fideikommiss zusammenhängende Probleme

Ausgehend von der vielschichtigen Problematik stelle ich als Nächstes Betrachtungen über weitere mit dem Fideikommiss in Preußen zusammenhängende Probleme an, welche die »Gemeinde« als Selbstverwaltungskörper betreffen.

A)   Webers Kritik an Max Sering

Max Sering stützte seine Befürwortung des deutschen Fideikommisses auf folgende Gründe: Wer durch gebundenen Besitz auf alle Zeiten für sich und seine Familie eine Heimat gewonnen habe, werde unter sonst gleichen Verhältnissen eher als der zwischenzeitliche Besitzer eines Gutes und seiner Angehörigen seine Interessen in gemeinnütziger Weise zu verfolgen bereit und fähig sein. Die gefestigten Familiengüter hätten die Bestimmung, „Pflegestätten einer edlen Lebensführung“ zu sein, die Tugenden der Voreltern gleichsam zu verkörpern und von einer Generation auf die andere zu übertragen. Kurz, die Berechtigung des Instituts der Fideikommisse liege in dem sittlich-politischen Wert aristokratischer Überlieferung und Gesinnung. Letztendlich sei auch die Fideikommissgesetzgebung, wie alle Fragen, welche die Grundlagen der sozialen Ordnung berühren, ein Problem der nationalen Charakterbildung.179

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