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Der Schreibusus der städtischen Kanzlei Straubing im 14. Jahrhundert

Ein Beitrag zur historischen Stadt- und Kanzleisprachenforschung

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Christopher Kolbeck

Der Autor verknüpft stadtsprachliche und kanzleisprachliche Historiolinguistik durch die sprachwissenschaftliche Edition historischer Urkunden und deren linguistische Auswertung. Graphematische, morphologische und onomastische Untersuchungen erschließen den Schreibusus der städtischen Kanzlei Straubing im Übergangszeitraum vom Mittelhochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen.

Dadurch ist dieses Buch auch ein Beitrag zur Soziopragmatik und ihrer elementaren Frage «Wie kommuniziert wer wann warum?», die es durch Analysen ausgewählter Phänomene im Hinblick auf Varianz zu beantworten gilt.

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3. Analysen

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3.1 Frühneuhochdeutsche Diphthongierung

Die Untersuchungsergebnisse von Paul62, der unter „nhd. Diphthongierung“ den Lautwandel der drei Langvokale mhd. /i:, y:, u:/ zu den nhd. Diphthongen /ae, oi, ao/ versteht und der von einer Ausweitung der Diphthongschreibungen in bairischen Texten ausgeht, was somit auch auf das Straubinger Stadturkundenkorpus zutreffen müsste, lassen sich bereits mit einem Blick auf die Tokenanzahl (nicht-diphthongiert vs. diphthongiert) bestätigen:

Die Gesamtbeleganzahl, die für die nachfolgenden Analysen und Exkurse zur fnhd. Diphthongierung herangezogen wird, beläuft sich auf 187 nicht-diphthongierte Formen vs. 948 diphthongierte Formen, woraus sich ergibt, dass die fnhd. Diphthongierung im Schnitt in jeder Urkunde zu 83,52% durchgeführt wurde63.

Straubing und der Straubinger Schreibusus reiht sich somit bezüglich der fnhd. Diphthongierung in die Reihe der Untersuchungen von Kliemann (1958)64, ← 89 | 90 → Uminsky (1975)65 und Bürgisser (1988)66 ein und kann künftig Lücken in der Forschung schließen. Zeitlich allerdings – man beachte, dass es sich bei der Urkunde C1 um die älteste Stadturkunde der Stadt Straubing aus dem Jahr 1301 handelt – lässt es die Überlieferung nicht zu, tiefere Schlüsse und Untersuchungen anzustreben. Der sehr hohe Prozentsatz der diphthongierten Belege bereits ab 1301 legt die Vermutung nahe, dass auch bereits weit vor 1301 die fnhd. Diphthongierung in der Schrift innerhalb der Straubinger Stadtkanzlei umgesetzt wurde. Dies ist rein spekulativ, allerdings dürfte das Schreibniveau im Vergleich mindestens auf dem Regensburger Schreibniveau gelegen haben, das von Skala...

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