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Der Psalter als ein Weg des Aufstiegs in Gregor von Nyssas «In inscriptiones Psalmorum»

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Augustinus Friedbert Weber

Das Buch untersucht Gregor von Nyssas Traktat «In inscriptiones Psalmorum». Dieser legt den Psalter als einen Meditationstext aus, der Gott suchende Menschen begleiten und über einen stufenweisen Aufstieg bis zur vollendeten Seligkeit führen will. Die Reihenfolge der Psalmen und ihre Gruppierung in fünf Bücher spiegeln einzelne Schritte und Etappen dieses Weges. Der Autor analysiert Gregors exegetische Arbeitsweise und legt eine Übersetzung des Traktats ins Deutsche vor. Eine hermeneutische Bilanz deutet den Kappadokier als einen Denker, der den christlichen Glauben im Kontext seiner Zeit in einer der philosophischen Vernunft gemäßen Weise erschließt.

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4.2.14 Kapitel XIV – Der gedankliche Fortschritt in den Psalmen 54 (Forts.); 55 und 56 (68,1–75,48)

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4.2.14.1 Psalm 55 (68,1–71,40)

4.2.14.1.1 Psalm 54 und eine Ruhepause vor neuem Kampf (68,1–35)

Nach der Betrachtung dieses intensiven Kampfes gönnt Gregor von Nyssa dem christlichen Asketen, den er hier als „Freund der Studien“, wörtlicher übersetzt als „Freund der Mühen“ (φιλόπονος) bezeichnet (68,1 f.), eine Ruhepause. Mit dieser Anrede dürfte er eine überwiegend monastisch geprägte Leserschaft ansprechen, war doch die Bejahung sowohl der sorgfältigen Betrachtung der Schrift wie der „Mühen“ des geistlichen Weges ein wesentliches Element im antiken Mönchtum.1407 Auf die erste hinführende Lektüre (67,11–57) kann somit eine persönliche Lektüre (ἀναγνώτω) der „von Gott eingehauchten Worte des Psalms“ folgen (68,1 f.), die von der vorausgehenden Exegese profitiert und diese vertieft. In ähnlicher Weise hatte Gregor bereits nach der Auslegung des Ps 53 zu einer ← 351 | 352 → anschließenden persönlichen Lektüre aufgefordert.1408 Deren Sinn erläutert er nun durch einen Vergleich, der zugleich wieder die Gesamtperspektive des Psalters wachruft. Er stellt seinem Leser Wanderer vor Augen, die einen steilen und schwer gangbaren Weg hinaufsteigen. Stoßen sie zwischendurch auf eine Sitzgelegenheit, unterbrechen sie ihre angestrengte Mühe, um für den Aufstieg zur nächsten vor ihnen liegenden Höhe neue Kräfte zu schöpfen (68,5–9). Ebenso verhält sich der Wanderer der Tugend (ὁ τῆς ἀρετῆς ὁδοιπόρος 68,9), wie unser Autor den Leser der Psalmen nun charakterisiert. Auch er muss bei seinem Aufstieg...

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